Die maritimen Herausforderungen für Europa

Weltmeere gehen alle an Schutz piraten dt. Flotte

Tagung in Berlin: Die maritimen Herausforderungen für Europa Egal ob Rohstoffversorgung, Warenexport oder das Problem der Migration: Die Sicherung maritimer Handelswege und europäischer Außengrenzen zählt zu den großen politischen Herausforderungen unserer Tage. Der breiten Öffentlichkeit ist das nicht unbedingt bewusst – jedenfalls in den Regionen Deutschlands, die nicht an den Küsten gelegen sind. Unter der Überschrift „Das maritime Europa – Atlantische und globale Perspektiven“ diskutieren hochrangige Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Militär über die die ganze Bandbreite dieser maritimen Problemkonstellationen

Die Weltmeere gehen alle an“
Vizeadmiral a.D. Lutz Feldt über die Marine, die Bundeswehrreform und das
maritime 21. Jahrhundert
Herr Feldt, was halten Sie von dem Vorschlag des
Bundesverteidigungsministers, einen Ehrentag für Bundeswehr-Veteranen
einzuführen? Es gibt solche Gedenktage in vielen anderen Ländern. Der
Vorschlag ist sehr gut und angemessen, weil so ein Gedenktag die Soldaten und
ihren Einsatz in das Bewusstsein der Bevölkerung rückt und zugleich auf die
sich verändernden Einsatzszenarien der Bundeswehr aufmerksam macht.
Gedenktage sind das eine, die konkreten Herausforderungen das andere. Der
Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Schimpf, hat auf der Historisch-Taktischen
Tagung der Flotte im Januar in Damp davon gesprochen, dass das „21.
Jahrhundert ein maritimes Jahrhundert sein wird“. Ist die deutsche Marine
ausreichend gerüstet? Die Antwort hängt von der Politik ab, die entscheiden
muss, welchen Beitrag Deutschland in wichtigen maritimen Sicherheitsfragen
leisten will. Das ist eine Frage, die auch unsere Verbündeten an uns richten. Wie
fällt denn aus Ihrer Sicht die Antwort aus? Als eines der stärksten Länder in
Europa stehen wir, was den Umfang und Einsatzfähigkeit der Marine angeht,
nicht in der ersten Reihe, sondern – sagen wir mal – in der zweieinhalbten
Reihe. Das ist kein Zustand, der der Marine anzulasten ist, sondern dahinter
steckt eine politische Entscheidung. Die Marine macht – finde ich – das Beste
draus. Reicht das für die Zukunft? Die Marine kann sicher weiterhin viele
Aufgaben bewältigen und erfolgreich an internationalen Einsätzen teilnehmen.
Aber die Durchhaltefähigkeit sinkt und ist an der unteren Kante angekommen
Die strategische Ausrichtung, die in der internationalen Sicherheitspolitik
stattfindet und immer stärker auf die maritime Karte setzt, spiegelt sich in
diesem Zustand nicht wider. Die Marine hat jetzt zur Piratenjagd am Horn von
Afrika einen Einsatzgruppenversorger entsandt. Ist das nicht ein Alarmzeichen?
Die Flotte nutzt durch die Auslandseinsätze immer stärker ab, so dass die
richtigen Schiffe fehlen. Der Einsatzgruppenversorger ist schon in der Lage, die
Aufgaben am Horn von Afrika zu erfüllen. Er verfügt über viele Fähigkeiten –
er kann die Schiffe der anderen Bündnispartner sinnvoll unterstützen, bietet
auch die Möglichkeit einer medizinischen Versorgung und hat eine lange
Stehzeit in See, die gerade in diesem großen Einsatzgebiet von Vorteil ist. Für
die Bündnisoperation ist der Einsatzgruppenversorger also geeignet. Aber das
optimale Mittel für diese Einsätze ist es sicher nicht, für die Unterstützung des
Einsatzes aber sehr wohl. Mit der Neuausrichtung der Bundeswehr verliert der
Führungsstab der Marine seinen ministeriellen Status. Sie selbst waren
Inspekteur der Marine und saßen im Verteidigungsministerium. Ihre künftigen
Nachfolger werden stattdessen im Marineamt Rostock sitzen. Schwächt das den
Einfluss auf relevante politische Entscheidungen? Vielleicht müsste umgekehrt
gefragt werden, wie groß der Einfluss der Inspekteure war, als sie im
Ministerium saßen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass das sehr
unterschiedlich war und sehr stark von der politischen Führung abhing. Die
einen ließen sich beraten, andere eher nicht. Der Auszug der Inspekteure der
Teilstreitkräfte aus dem Ministerium ist kein Problem? Das will ich nicht sagen.
Die Gefahr, dass das Know-how, das in den Teilstreitkräften vorhanden ist,
nicht mehr ausreichend berücksichtigt wird, ist sicher da. Das zeigen auch
Erfahrungen aus anderen Ländern mit ähnlichen Strukturen. Es kommt deshalb
jetzt auf die Umsetzung der neuen Führungsstruktur an. Die Inspekteure müssen,
auch wenn sie nicht mehr im Ministerium sitzen, einen direkten Zugang zur
politischen Führung behalten. Auch der Dialog mit den fachkundigen
Abgeordneten ist für die Inspekteure von besonderer Bedeutung. Wie sehr
schmerzt Sie die Auflösung des Flottenkommandos? Sie selbst waren auch
Befehlshaber der Flotte. Das schmerzt doppelt, weil dort ein exzellentes
Führungskommando besteht. Dass dies nun aufgelöst wird, bedauere ich. Aber
ich kenne die Gründe und kann sie vom Kopf her verstehen und nachvollziehen.
Grundsätzlich möchte ich allerdings in diesem Zusammenhang davor warnen,
die Gemeinsamkeit der Teilstreitkräfte zu überbetonen. Die Fähigkeit der
einzelnen Teilstreitkraft droht sonst auf den kleinsten gemeinsamen Nenner zu
schrumpfen. Das Führungsverständnis von Heer, Luftwaffe und Marine ist nun
einmal im Einsatz unterschiedlich – nicht, weil jeder für sich bleiben will,
sondern weil alle in unterschiedlichen Medien arbeiten. Dies muss erhalten
bleiben. Man muss sehr sorgfältig die Grenzen der Gemeinsamkeit definieren
und nicht zusammenlegen, was nicht zusammen gehört. Sollten die Auflösung
des Flottenkommandos in Glücksburg und der Abbau der Marine in Kiel noch
einmal überdacht werden? Ist Rostock der richtige Standort für das neue
Marinekommando? Das ist so entschieden und sollte nicht wieder aufgerollt
werden. Dass alle drei Teilstreitkräfte ihren Führungsbereich im Umfeld von
Berlin ansiedeln, ist richtig. Trotz aller moderner Kommunikation braucht man
von Zeit zu Zeit das persönliche Gespräch. Zur modernen Kommunikation
kommt die moderne Technik. Sie führt dazu, dass die Besatzung auf den neuen
125er Fregatten nur noch halb so groß sein soll wie auf den kleineren 124er
Fregatten. Ist das der richtige Weg? Die vernünftige Verbindung von Technik
und reduzierter Besatzung ist eine intelligente Lösung. Die Handelsschifffahrt
ist diesen Weg schon vor vielen Jahren gegangen. Allerdings muss das Personal
noch besser qualifiziert werden. Und es muss vom Einzelnen noch mehr
verlangt werden. Stichwort Handelsschifffahrt. Ist Europa ausreichend
gewappnet, um die Seewege zu sichern und Piraterie zu bekämpfen? Die
europäischen Einheiten und die der Nato sind gut aufgestellt, ebenso die
Einsatzgruppen Indiens und Chinas im Indischen Ozean. Auch Japan, Australien
und viele andere Länder sind bei diesem internationalen Kampf dabei. Die
militärischen Fähigkeiten sind vorhanden, um mit der Piraterie fertig zu werden.
Das Problem mit Blick auf die Beteiligung der deutschen Marine liegt im
politischen Mandat, das sinnvolle Aktionen zur Bekämpfung der Piraterie
ausschließt. Auch die notwendige Zusammenarbeit mit der Bundespolizei See
bedarf einer politischen Entscheidung, die aussteht. Welche Aktionen wären
das? Es muss mehr Prävention möglich sein. Wenn sich ein verdächtiges Boot
mit hoher Geschwindigkeit einem Handelsschiff nähert, muss heute abgewartet
werden, bis der Angriff tatsächlich passiert. Es muss möglich sein, schon vorher
tätig zu werden. Das gilt auch für Prävention an Land. Ich halte es für geboten,
Piraten, die am Strand einen Überfall vorbereiten, anzugreifen und ihre Boote
dort schon zu vernichten. Es geht schließlich um das Leben der Besatzungen der
Handelsschiffe, die als Geiseln oft über Monate gefangen gehalten und gequält
werden. Im März findet in Berlin eine neue große Konferenz zum Thema „Das
maritime Europa“ statt, die Sie wesentlich mitinitiert haben. Was ist das
Hauptziel dieses Treffens? Wir wollen nicht zuletzt die wachsenden
Herausforderungen, die sich auf dem Wasser stellen, ins Bewusstsein der
Öffentlichkeit rücken. Die Weltmeere gehen alle an, und wir Europäer sollten
dabei nicht den Atlantik vergessen, auch wenn sich die Achse
sicherheitspolitisch eher in den Pazifik und in den Indischen Ozean verschoben
hat. Der europäische Rat und das europäische Parlament haben die EUKommission
beauftragt, eine europäische maritime Sicherheitsstrategie zu
erarbeiten. Das ist ein richtiger Schritt. Das maritime Europa besteht ja nicht nur
aus dem Mittelmeer, wohin oft geschaut wird, sondern zum Beispiel auch aus
dem Nordmeer, das durch die Klimaschwankungen in der Arktis betroffen ist.
Und wir wollen durch die Themenwahl die Notwendigkeit einer
gesamtstaatlichen Verantwortung deutlich machen.
Interview: Stephan Richter Norddeutsche Rundschau


 

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Über g.goettling

1953 das Licht der Welt in Stuttgart erblickt bis 1962 Stuttgart ab 1963 bis 1970 Bayerrn ( genauer Mittelfranken Nürnberg Lauf/Peg.) Schule ab 1970 Norden Lehrjahre sind keine Herrenjahre Matrose HAPAG 1976 AK 19 86 AM FHSR ( heute STW 95 unbeschränkt) bis 1992 Steuermann 1.Offizier und Kapitän 1992 -1997 Staukoordinator Abteilungleiter Reedereien Rheintainer Transglobe 1997 - Schleusenmeister, den es immer noch seefahrtsmässig in den Finger juckt, wenn er seine Kollegen fahren sieht, inzwischen auch wieder selbst fährt übergangsweise Fähre und ehrenamtlich Dampfschlepper Hamburger Hafen Museumshafen Övelgönne 2012 Fähren NOK bis 2017 jetzt Öffentlichkeitsarbeit und VdsM