Fischmarkt Hamburg von Andres Lehmann – Willkommhöft

Anmerk.der Verf.HP ich liebe Hamburg die schönste Stadt der Welt und mache gerne Werbung für Euch 😉   Seit 30 Jahren will mir mein Vater sein Lieblingslokal zeigen. Seit 30 Jahren klappt es nicht. Warum wir es nie dorthin geschafft haben, gehört zu den Seltsamkeiten des Lebens. Noch seltsamer aber ist: Am Zweiten Weihnachtstag 2011 überraschen wir uns selbst und fahren tatsächlich hin, an den Ort, den Papa nie auslässt, wenn er auf Hamburg-Besuch ist: die Schiffsbegrüßungsanlage Willkomm-Höft im Schulauer Fährhaus. Sie liegt in Wedel, direkt an der Elbe, und ist das Tor zu Hamburg. Jedes Schiff, das auf dem Weg zum Hamburger Hafen das Fährhaus passiert, bekommt seine Nationalhymne vorgespielt. Es ist ein netter Gruß an die Schifffahrt, ein Stück Völkerverständigung in einer Welt voller Krisen und Kriege. Und obendrein kriegt man Kaffee und Kuchen. Also rein. Drinnen ist es voll, mehrere hundert Gäste in zwei Räumen, Massengastronomie. Egal. Ein Tisch ist noch frei. Ich setze mich und betrachte den Sehnsuchtsort meines Vaters. Polsterstühle in Bordeaux, Teppichboden, beleibte Kellner mit dicken Portemonnaies. Als mein Vater auch noch Schwarzwälder Kirsch und Kännchen Kaffee bestellt, habe ich endgültig das Gefühl, wieder Kind zu sein. Die 1970er Jahre sind nie zu Ende gegangen, jedenfalls nicht im Schulauer Fährhaus und nicht bei meinem Vater. "Du, Papa", sage ich und will ihm meine Gedanken mitteilen. Aber der ist schon aufgesprungen und ans Fenster gerannt. Ein Kapitän am Mikrofon "Da, ein Schiff!", ruft er und winkt mich zu sich. Von rechts schippert ein Frachter heran. Aus den Boxen ertönt Musik. Eine Nationalhymne? Der Ton ist miserabel, die Melodie unmöglich zu erkennen. Diesen Missstand muss man mal dem Begrüßungskapitän mitteilen, denke ich. Der sitzt nämlich gleich im Nebenraum, in seiner Kabine, mit Mikrofon. Herrlich, wie der aus seinen 150 Kassetten immer die richtige Hymne heraussucht und über Baujahr und Herkunft des Schiffes referiert. Schade, dass man kein Wort versteht. Und schade, dass mittlerweile digitale Musikdateien zum Einsatz kommen, aber das erfahre ich erst später. Nach drei Schiffen und drei nicht zu identifizierenden Hymnen lichtet sich das Lokal, draußen wird es dunkel. Als wir die Rechnung bestellen, bekommen wir mit, dass das Fährhaus dichtmacht. Für drei Monate. Warum?, fragen wir den Kellner, den man auch mit "Herr Ober" ansprechen könnte, so vornehm tanzt er um die Tische. "Es gibt einen neuen Pächter", sagt der. "Alles wird neu gemacht." Papa schaut entsetzt. "Und was passiert mit Ihnen?" "Heute ist mein letzter Arbeitstag, nach 25 Jahren. Der neue Chef hat mich nicht wieder eingestellt." Auf dem Rückweg schweigen wir. Drei Monate später, 1. April 2012. Heute ist Wiedereröffnung. Wie das neue Schulauer Fährhaus jetzt wohl aussieht? Ich will es wissen und fahre hin, auch meinem Vater zuliebe, der in Köln wohnt und nicht dabei sein kann. "Ruf mich an, wenn du da warst", hat er gesagt. Ich setze mich in die gleiche Ecke wie damals. Und fühle mich doch anders. Edler Holzboden statt Teppichboden, offene Küche, eine hauseigene Konditorei, verjüngte und verschlankte Kellner. Das Fährhaus ist in der Echtzeit angekommen. Die Preise auch. Ich bestelle mir für 14,50 Euro einen lauwarmen Spinatsalat mit gegrillten Scampi und Jakobsmuscheln. Er schmeckt phantastisch. Pannfisch und Carpaccio Überhaupt, die Speisekarte. Sie klingt wie die eines Gourmetrestaurants. "Carpaccio vom Holsteiner Rinderfilet in Trüffelmarinade", "Frischlachstatar und gebeizter Dill-Limonen-Wildlachs". Der neue Küchenchef heißt Franz Jost, 39 Jahre, und spricht von "raffinierten Kreationen". Natürlich gebe es auch weiterhin Hamburger Pannfisch, versichert er. Auch der neue Pächter ist da, René Schillag, 37 Jahre alt. Ein smarter Machertyp, die neue Gastronomiegeneration. Zum ersten Mal ist Willkomm-Höft nicht mehr in der Hand der Gründerfamilie. 1952 hatte Otto Friedrich Behnke die Anlage neben dem Wedeler Yachthafen eröffnet. Später übernahm sein Sohn Uwe und betrieb sie bis Ende 2011. Altersbedingt musste er aufhören, fand aber keinen Nachfolger in der Familie. Der Hamburger Fischmarkt lockt jeden Sonntag 70.000 Besucher an die Elbe. Egal ob Obstkorb, frischer Fisch oder Tropenblumen: Am Hafen wird jeder fündig – und in der Markthalle wird frühmorgens zu Live-Musik getanzt.   Fischauktionshalle (Bild: Andres Lehmann, www.andreslehmann.de)

Adresse:

Große Elbstraße 9, 22767 Hamburg

Öffnungszeiten:

Immer sonntags – April bis Oktober 5:00 bis 9:30 Uhr, November bis März 7:00 bis 9:30 Uhr

Öffentliche Verkehrsmittel:

S1 und S3 Haltestelle Reeperbahn, U3 Haltestelle Landungsbrücken, Buslinie 112 Haltestelle Fischmarkt

Parkplätze:

Am Edgar-Engelhard-Kai und in der Van Smissen Straße
Gerüchte besagen, die Marktschreier auf dem Fischmarkt, die ihre Produkte lauthals anpreisen, werden noch auf der unweit gelegenen Reeperbahn gehört. Unbestritten, auf dem Gebiet des Fischmarktes geht es jeden Sonntag in der Früh hoch her. Egal ob Fisch, Obst, Blumen, Klamotten oder Gockel: An den Ständen, aufgereiht auf einer Freifläche direkt am Hafenbecken der Elbe, kann alles gekauft werden. Oft gibt es zusätzlich einen Hering obendrauf – "komm her, zwei Lachs packe ich auch noch dazu", schallt es dem Besucher entgegen. Ob Schnäppchen oder nicht – das muss ein jeder Besucher beim Bummel über den Markt selbst entscheiden. Ein drohender Vitaminschock nach Kauf eines Obstkorbes ist nicht ausgeschlossen. voriges nächstes Bild 1 von 14 (Quelle: Christoph Bellin, bildarchiv-hamburg.de) Trotz der frühen Anfangszeiten ist auf dem Fischmarkt immer was los. Einen Korb bekommen An vielen Ständen und Marktwagen wird gehandelt, die geflochtenen Körbe werden so lange bepackt, bis sich ein Käufer findet. Ein wortreiches Spektakel, das von vielen Touristen aber auch Einheimischen allwöchentlich beobachtet wird. Nach einer langen St. Pauli-Nacht wurden auf dem Areal des Fischmarktes auch schon angereiste Fußballfans eines Auswärtsteams gesichtet, die in einem Einkaufswagen etliche großwüchsige Tropenpflanzen vor sich herschoben – ihnen standen rosige Zeiten bevor. Doch längst nicht jeder schleppt kiloweise Fisch nach Hause – ein Frühstück in Form eines Fischbrötchens direkt am Elbufer mit Blick auf den Hamburger Hafen oder ein früh morgendlicher hanseatischer Schnack alleine lohnen den Besuch. Rockige Klänge am Morgen In der historischen Altonaer Fischauktionshalle kann in der Früh zu Live-Musik das Tanzbein geschwungen werden. Manch Hochzeitsgesellschaft samt Braut und Bräutigam findet hier den letzten Bestimmungsort ihrer Feier und tanzt ausgelassen zu rockigen oder jazzigen Klängen. Auch Kiez-Gänger pilgern in Scharen an die Elbe – und finden in der Auktionshalle ihre letzte "Party-Location". Land unter heißt es auf dem Fischmarkt indes nur in stürmischen Zeiten, dann stehen der historische Backsteinbau der Auktionshalle und die Freiflächen des Marktes unter Wasser. In der Regel verlässt der Besucher trockenen Fußes und selten mit trockener Kehle den Fischmarkt – egal ob mit Tropenpflanze, oder ohne. Weitere Sehenswürdigkeiten Reeperbahn | HafenCity & Speicherstadt | Mönckebergstraße Michel Hamburg | Alster | Jungfernstieg | Elbe | Landungsbrücken Rathaus DeichstraßeKrameramtsstuben | Planten un BlomenChilehaus Fernsehturm Alter Elbtunnel | Elbphilharmonie Stadtpark Hamburg | Planetarium | Treppenviertel Rickmer Rickmers | Cap San Diego Hamburger Flughafen | Schanzenviertel c  
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Über g.goettling

1953 das Licht der Welt in Stuttgart erblickt bis 1962 Stuttgart ab 1963 bis 1970 Bayerrn ( genauer Mittelfranken Lauf/Peg.) Schule ab 1970 Norden Lehrjahre sind keine Herrenjahre Matrose HAPAG 1976 AK 19 86 AM FHSR ( heute STW 95 unbeschränkt) 1992 -1997 Staukoordinator Abteilungleiter Reedereien Rheintainer Transglobe 1997 - Schleusenmeister, den es immer noch seefahrtsmässig in den Finger juckt, wenn er seine Kollegen fahren sieht, inzwischen auch wieder selbst fährt übergangsweise Fähre und ehrenamtlich Dampfschlepper Hamburger Hafen Museumshafen Övelgönne