Die Seenotretter feiern Geburtstag

Auf Kurs Geburtstagsfeier: Etliche Rettungsboote und -schiffe fuhren gestern durch den Nord-Ostsee-Kanal Richtung Bremen.
Foto: Dunkel Copyright Norddeutsche Rundschau
Die Seenotretter feiern Geburtstag
150 Jahre Das Festprogramm13. Mai bis 21. Juni: Sonderausstellung der Seenotretter; Untere Rathaushalle, Bremen 29. Mai: Offizieller Festakt mit geladenen Gästen im Bremer Rathaus; 16 Uhr – Öffentliche Taufe des neuen Seenotrettungsbootes auf dem Bremer Marktplatz; 19 Uhr – Festkonzert 150 Jahre DGzRS 30. Mai: Taufe des neuen 28-Meter-Seenotrettungskreuzers an der Seebäderkaje in Bremerhaven, begleitend Schiffsparade auf der Weser mit zahlreichen Rettungseinheiten. Anschließend Open-Ship im Neuen Hafen, Bremerhaven 31. Mai: 11.30 Uhr – Öffentlicher Gedenkgottesdienst für alle auf See Gebliebenen im Neuen Hafen, Bremerhave
Vor 150 Jahren wurde die Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger gegründet – Wir haben die Besatzung der „Bremen“ begleitet
Grossenbrode/BRemen
Es gibt Tage, da passiert – nichts. Buchstäblich. Da sind die Männer auf dem Seenotrettungskreuzer „Bremen“ zum Nichtstun verdammt. Vormann Sven-Eric Carl sitzt mit seiner Mannschaft im Aufenthaltsraum, die Kaffeepause fällt heute ein wenig länger aus. Zeit, um alte Geschichten hervorzuholen. Das Meer rund um Fehmarn ist das Einsatzgebiet von Carl, seinem Maschinisten Andreas Pirwitz, und den Nautikern Heinz Reipschläger und Frank Lietzow. Zwei Wochen tun die Männer Dienst am Stück, der Springer der jeweiligen Schicht sogar drei, dann werden sie ausgetauscht. Die Bremen ist rund um die Uhr besetzt und einsatzbereit. Das Seegebiet um Fehmarn gilt als leicht – und das kann gefährlich sein. Einsätze kommen für die „Bremen“ häufig bei Nacht. „Das liegt daran“ , meint Lietzow, „dass die Freizeitsegler den Tag über rausschippern, die Sonne genießen – und wenn die dann abends weg ist, fällt ihnen ein, dass sie ja noch nach Hause müssen“. Aber wo das ist, wüssten sie nicht mehr – und riefen die Retter. „Da fangen die Leute an, Erfahrungen zu machen“, kommentiert Carl trocken und nimmt einen großen Schluck aus seinem Kaffeebecher. 120 bis 140 Einsätze fahren die Männer auf der „Bremen“ im Jahr, insgesamt sind es bei der Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) jährlich rund 2000. Gegründet wurde diese heute vor 150 Jahren. Bis dahin galt Seenot als unabwendbares Schicksal. Allein in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gerieten mehr als 50 Schiffe vor den Inseln der deutschen Nordsee in Seenot – mit unzähligen Toten. Deshalb forderten der Navigationslehrer Adolph Bermpohl und der Anwalt Carl Kuhlmay 1860 einen durch Spenden finanzierten Seenotrettungsdienst, woraus 1865 die DGzRS hervorging. Die Gesellschaft ist bis heute ausschließlich durch Spenden finanziert. Sie beschäftigt 180 fest angestellte und mehr als 800 freiwillige Rettungsleute und hat seit ihrer Gründung mehr als 81 000 Schiffbrüchigen das Leben gerettet. 45 Retter allerdings zahlten dafür mit ihrem Leben. Wie gefährlich es werden kann, hat Maschinist Pirwitz von der „Bremen“ erlebt. Er war vor vier Jahren an der „Lisco Gloria“ im Einsatz. Am 9. Oktober 2010 war die 200 Meter lange litauische Fähre sechs Seemeilen vor Fehmarn mit 236 Menschen an Bord in Brand geraten. Pirnitz war mit im Löscheinsatz. „Ich war damals noch in Maasholm stationiert“, berichtet er. Als sie an der Fähre angekommen seien, habe die schon gebrannt. Aber noch nicht voll. „Doch die Hitze war schnell so groß, dass die Lkw an Bord einer nach dem anderen explodiert sind.“ Das Feuer habe sich rasch vorgearbeitet. Pirwitz und seine Mannschaft waren zeitweise nur damit beschäftigt, die Außenhaut der Fähre zu kühlen, damit sich das Feuer nicht hindurchfrisst und das Schiff sinkt. Am Ende konnten alle 236 Menschen gerettet werden, darunter eine Schulklasse. Seenotretter, Marinefahrzeuge, Bundespolizei sowie Fracht- und Fährschiffe waren dabei im Einsatz. Als Brandursache wurde ein technischer Defekt ausgemacht. Doch es gibt auch Tage, da passiert – nichts.
Kathrin Emse
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Über g.goettling

1953 das Licht der Welt in Stuttgart erblickt bis 1962 Stuttgart ab 1963 bis 1970 Bayerrn ( genauer Mittelfranken Lauf/Peg.) Schule ab 1970 Norden Lehrjahre sind keine Herrenjahre Matrose HAPAG 1976 AK 19 86 AM FHSR ( heute STW 95 unbeschränkt) 1992 -1997 Staukoordinator Abteilungleiter Reedereien Rheintainer Transglobe 1997 - Schleusenmeister, den es immer noch seefahrtsmässig in den Finger juckt, wenn er seine Kollegen fahren sieht, inzwischen auch wieder selbst fährt übergangsweise Fähre und ehrenamtlich Dampfschlepper Hamburger Hafen Museumshafen Övelgönne