KfW könnte Schleusenbau finanzieren Weil das 300-Millionen-Projekt nicht vorankommt:

Stau vor der Brunsbütteler Schleusenanlage gestern Vormittag. Für die großen Frachter steht derzeit tagsüber nur die Große Südschleuse zur Verfügung.
Foto: pöschus (2)
An der tagsüber gesperrten großen Nordkammer: Lotsenältermann Michael Hartmann (li.) und FDP-Bundestagsabgeordneter Jürgen Koppelin.
 
KfW könnte Schleusenbau finanzieren
Weil das 300-Millionen-Projekt nicht vorankommt: FDP-Bundestagsabgeordneter Jürgen Koppelin bringt Kreditanstalt für Wiederaufbau ins Spiel
Brunsbüttel
Vor elf Monaten setzte Bundesverkehrsminister Dr. Peter Ramsauer (CSU) öffentlichkeitswirksam den ersten Spatenstich für den Bau der dritten großen Schleuse. Passiert sei seitdem wenig, sagen Kritiker und sorgen sich, dass das 300-Millionen-Projekt auf die lange Bank geschoben wird und teurer werden könnte: 60 Millionen Euro Mehrkosten gelten inzwischen als realistisch. Im Gespräch mit Kapitän Michael Hartmann, Ältermann der Lotsenbrüderschaft NOK I, brachte der Bundestagsabgeordnete Jürgen Koppelin eine neue Finanzierungsvariante ins Spiel. Der FDP-Mann aus Dithmarschen ist Mitglied im Haushaltsausschuss des Bundes. Er schlug eine Kreditfinanzierung der Baumaßnahme über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) vor. Hintergrund: Michael Hartmann erlebt wie seine Kollegen täglich, wie sich die Schifffahrt auf der meistbefahrenen künstlichen Wasserstraße der Welt durch das Nadelöhr der maroden großen Brunsbütteler Schleusen quält. Erst gestern warteten 14 aus Kiel kommende Frachter auf die Passage, stauten sich vor Brunsbüttel. „Der letzte wird an diesem Tag nicht mehr durchkommen“, sagte Hartmann. Die sich längst abzeichnende Verzögerung der Baumaßnahme beobachte die Lotsenbrüderschaft ebenso wie die maritime Wirtschaft mit großer Sorge, erklärte Hartmann. Vor allem vermisst er eine Entscheidung der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) zu den Ausschreibungsunterlagen. Die müssten endlich auf den Weg gebracht werden. „Was wollen wir tun?“, wollte er von Koppelin wissen, der mit dem stellvertretenden Mitglied im Haushaltsausschuss, Sebastian Blumenthal, den FDP-Landtagsabgeordneten Oliver Kumbartzky und Christopher Vogt, der Fraktionsvorsitzenden der FDP im Dithmarscher Kreistag, Veronika Kolb, sowie FDP-Ratsfrau Bettina Jebens ins Lotsenhaus gekommen war. Eine klare Antwort blieb Koppelin schuldig. Das Thema werfe zu viele offene Fragen auf, die er nicht beantworten könne, machte der Bundestagsabgeordnete klar. Das Bundesverkehrsministerium sei nicht allein schuldig. „Ich habe den Eindruck, dass von der Wasser- und Schifffahrtsdirektion nicht alles fair gespielt wird“, sagte Koppelin. Wenn der Schleusenbau, vor anderthalb Jahren noch mit 300 Millionen Euro beziffert, nun teurer werde, müsse sich jemand verrechnet haben. Und: Wenn es sich jetzt so dramatisch zuspitze in Brunsbüttel, stelle sich vor allem eine Frage: „Was ist in den vergangenen 15 Jahren geschehen?“ Die Folge ausgebliebener Investitionen führe dazu, dass der Kanal der Nachfrage aus der Schifffahrt nicht mehr entsprechen könne, stellte Hartmann fest. Andererseits seien weder Straßen noch Schienenverbindungen in der Lage, das Transportvolumen durch den Nord-Ostsee-Kanal aufzufangen: Über 100 Millionen Tonnen Fracht transportierten die Schiffe im vorigen Jahr durch den NOK. Fazit, so Michael Hartmann: Der Bund müsse ein Sonderprogramm über 20 Millionen Euro auflegen, damit die beiden maroden Großschleusen endlich instand gesetzt werden können. Und dann müsse die Ausschreibung endlich raus. Letzteres wäre „ein ganz starkes politisches Zeichen“. Bürgermeister Stefan Mohrdieck führte einen ganz anderen Kritikpunkt an. „Was mich erschreckt: Wir müssen immer erklären, dass es eine nationale Aufgabe ist, dass Bayern mehr vom Nord-Ostsee-Kanal profitiert als Hamburg.“ Dies sei denen offenbar nicht bekannt, die letztlich die Entscheidungen fällen. Jürgen Koppelin schließlich brachte die Baufinanzierung für die dritte Großschleuse ins Spiel. Dies könnte die KfW übernehmen, getilgt würde durch Einnahmen aus dem Kanalbetrieb. Zwar ein Schattenhaushalt, aber machbar. Dies solle noch in diesem Monat thematisiert werden Viel wichtiger jedoch, das wurde bei dem gestrigen Treffen deutlich, sind klare Worte der Landesregierung Richtung Berlin – und ein gemeinsames Eintreten der norddeutschen Bundesländer für ihre Interessen.
Ralf Pöschus
 
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Über g.goettling

1953 das Licht der Welt in Stuttgart erblickt bis 1962 Stuttgart ab 1963 bis 1970 Bayerrn ( genauer Mittelfranken Lauf/Peg.) Schule ab 1970 Norden Lehrjahre sind keine Herrenjahre Matrose HAPAG 1976 AK 19 86 AM FHSR ( heute STW 95 unbeschränkt) 1992 -1997 Staukoordinator Abteilungleiter Reedereien Rheintainer Transglobe 1997 - Schleusenmeister, den es immer noch seefahrtsmässig in den Finger juckt, wenn er seine Kollegen fahren sieht, inzwischen auch wieder selbst fährt übergangsweise Fähre und ehrenamtlich Dampfschlepper Hamburger Hafen Museumshafen Övelgönne