Lotsen beziehen neues Domizil Brunsbüttel

 
Schulungsraum: Ältermann Michael Hartmann zeigt den Schiffssimulator, an dem Kapitäne zu Kanallotsen ausgebildet werden.
Foto: JS Norddeutsche Rundschau
Umzug vom Kanalufer an die Schleusenstraße: Altes Lotsenhaus muss dem Deichbau weichen
Brunsbüttel
Zwei Monate vor Ablauf des Kündigungstermins haben die Brunsbütteler Kanallotsen ihren seit 90 Jahren genutzten Standort unmittelbar an der Schleuse geräumt und sind in ihr neues Domizil an der Schleusenstraße umgezogen. Die neuen Räume in einem schon 1948 errichteten, zweigeschossigen Altbau, der zuletzt als Bürogebäude eines Stahlhandelsunternehmens genutzt wurde, wurden gestern mit einem Festakt eingeweiht. Das grundlegend sanierte und renovierte Gebäude ist ab sofort Heimat für 135 Kanallotsen, die die Schiffe zwischen Brunsbüttel und Rendsburg in beiden Richtungen sicher durch den Nord-Ostsee-Kanal lotsen. Außerdem werden hier zurzeit elf gestandene Kapitäne 14 Monate lang für ihren Einsatz als Kanallotsen geschult. „Wir mussten unser bisheriges Lotsenhaus räumen, weil es der Deichverstärkung weichen muss“, nannte der Ältermann der Lotsenbrüderschaft NOK I, Michael Hartmann, den Grund für den Umzug. Die Räumung hätte bis zum Jahresende abgeschlossen sein müssen. Die Lotsen sind jeder für sich selbstständige Unternehmer und haben den Kauf und den Umbau des Gebäudes per Umlage aus Eigenmitteln finanziert, ist Hartmann stolz auf das Zusammengehörigkeitsgefühl aller Berufskameraden. Und vor allem darauf: „Die Budgetplanung wurde eingehalten. Es gibt hier keine zweite Elbphilharmonie!“ „Wir haben uns bewusst für diesen Altbau entschieden“, unterstrich der Ältermann. „Das Haus hat Potenzial. Und wir können von hier auch die Schiffe sehen“, lenkte er die Blicke der Gäste auf einen zwischen den Häusern vorbei gleitenden Container-Riesen. „Wir haben dem alten Haus neues Leben eingehaucht und positive Zeichen gesetzt.“ Dank sagte er dem Architektenbüro Wittrock für Planung und Baubetreuung. In den Dank schloss Hartmann die vorwiegend aus der Region beauftragten Handwerksbetriebe ein. Lotsen-Geschäftsführer Wolfgang Mentzel habe die Aufgaben toll „und mit einem gehörigen Teil Pedanterie gemeistert“. „Mir liegt Brunsbüttel am Herzen“, bemerkte Michael Hartmann und begründete damit den hier gesetzten städtebaulichen Akzent. Dabei sei auch die Schaffung von 20 Pkw-Stellplätzen unmittelbar vor dem Haus möglich geworden. „Die Seelotsenausbildung ist im Wandel, der Beruf ist im Kommen“, blickte der Ältermann zuversichtlich nach vorn und bekannte: „Wir nehmen die Ausbildung in die eigene Hand und betreiben eine intensive Ausbildung für mehr Sicherheit und Leichtigkeit in der Schifffahrt.“ Das Obergeschoss des neuen Lotsenhauses ist ausschließlich der Ausbildung vorbehalten. Hier stehen jetzt neben einem großen Sitzungs- und Schulungsraum zwei moderne Schiffssimulationsanlagen bereit, mit denen die Kapitäne für den Einsatz auf dem Kanal geschult werden. Bürgermeister Stefan Mohrdieck hob hervor, dass das Lotswesen für die Stadt Brunsbüttel von großer Bedeutung sei. Die Lotsenbrüderschaft sei ein großer Dienstleister für die maritime Wirtschaft, betonte der Verwaltungschef. Zum Abschluss der Einweihungsfeier, die mit Shanties des 1919 gegründeten Lotsenchores „Takelure“ stimmungsvoll umrahmt wurde, überraschte die Vorbesitzerin des neuen Lotsenhauses, Ute Fries, die Lotsen mit einem besonderen Geschenk. Sie hatte in ihren Akten den Frachtbrief des Motorsegelschiffes „Klaus“ gefunden, mit dem 1948 die Mauersteine für den Bau des Hauses aus Bützfleth bei Stade über die Elbe nach Brunsbüttel gebracht worden waren. Dieses in einen Rahmen gefasste Dokument übergab sie an Ältermann Michael Hartmann.
Jochen Schwarck  Norddeutsche Rundschau
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Über g.goettling

1953 das Licht der Welt in Stuttgart erblickt bis 1962 Stuttgart ab 1963 bis 1970 Bayerrn ( genauer Mittelfranken Lauf/Peg.) Schule ab 1970 Norden Lehrjahre sind keine Herrenjahre Matrose HAPAG 1976 AK 19 86 AM FHSR ( heute STW 95 unbeschränkt) 1992 -1997 Staukoordinator Abteilungleiter Reedereien Rheintainer Transglobe 1997 - Schleusenmeister, den es immer noch seefahrtsmässig in den Finger juckt, wenn er seine Kollegen fahren sieht, inzwischen auch wieder selbst fährt übergangsweise Fähre und ehrenamtlich Dampfschlepper Hamburger Hafen Museumshafen Övelgönne