TOP-THEMA Sturmfluten an der Nordsee Wetterdaten, Seegang, Sandtransport –

http://epaper.shz.de/shz/2012/11/01/nr/22/art-0228.html Zeigt die aktuelle Lage: Matthias Reimers, Geschäftsführer des Deich- und Hauptsielverbandes.
Pegelstände fest im Blick: Janina Sievers an den Lagekarten im Sitzungssaal des Dithmarscher Kreistags.
Foto: Schmid (3)
Abstimmungsgespräch (v. li.): Siegfried Schoop (Polizei) sowie Frank Eschenbach und Robert Turchetto (Bundeswehr).
Wetterchaos: Katastrophenstab übt
Sitzungssaal des Kreistags wurde zur Krisenzentrale eines groß angelegten Notfall-Szenarios
Heide
Eine Sturmflut bedroht die Küsten Dithmarschens. Windstärken zwischen neun und zehn fegen über das Land. Die Deiche in Büsum und im Speicherkoog sind gebrochen. Das Land steht und Wasser. In Büsum sind die Wassermassen bis zu einem halben Meter hoch. Die Menschen werden evakuiert – aktueller könnte eine Katastrophenübung nicht sein, als das Szenario, mit dem sich die Verantwortlichen im Heider Kreishaus befassten. Dort, wo sonst der Dithmarscher Kreistag debattiert und Beschlüsse fasst, arbeiten im angenommenen Notfall alle Behörden zusammen. Hilfseinsätze müssen koordiniert und organisiert werden. Kurz vor Mitternacht gibt es eine Pressekonferenz. Landrat Dr. Jörn Klimant und Matthias Reimers, Geschäftsführer des Deich- und Hauptsielverbandes, müssen sich kritische Fragen gefallen lassen. Denn das nächste Hochwasser droht. Was in New York bittere Realität ist, ist in Dithmarschen lediglich eine groß angelegte Übung. Und die ist wichtig. Denn der Nordsee drohen verstärkt Sturmfluten. Nach einer gestrigen Aussage des Präsidenten des Deutschen Wetterdienstes, Paul Becker, werde sich die Zahl schwerster Winterstürme mit mehr als 125 Stundenkilometern im Laufe dieses Jahrhunderts verfünffachen. Und Dithmarschen gehört mit der Eider, dem Nord-Ostsee-Kanal, der Nordsee und dem Brunsbütteler Industriegebiet sowie der Raffinerie in Hemmingstedt nach Auskunft von Klimant zu den Landkreisen mit dem höchsten Gefährdungspotenzial. Ein 80-köpfiger Krisenstab übte zwei Tage den Ernstfall. Mit dabei waren Polizei, Feuerwehr, Bundeswehr, Rettungsdienst, Deich- und Hauptsielverband, Technisches Hilfswerk und Verwaltung. Für Klimant steht fest: „Eine Übung ist unerlässlich.“ Das in dieser Größenordnung zum ersten Mal durchgespielte Szenario war professionell von der Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz in Bad Neuenahr-Ahrweiler organisiert worden. „Es ist eine Herausforderung, Menschen zu coachen und damit in die Lage zu versetzen, ihre Aufgabe besser zu erfüllen“, erklärte Nicole Bernstein von der Akademie. Mit der Arbeit im Kreishaus zeigten sich die drei Vertreter aus Ahrweiler zufrieden. „Sie sind alle hoch motiviert“, so Ralf Ziegler, Polizeileiter in Nordrhein-Westfalen und Mitglied des Krisenstabs aus Ahrweiler. Die Theorie ist die eine Sache – die Praxis sieht da schon ganz anders aus. Im Kreistagssitzungssaal herrschte geschäftiges Treiben. Immer wieder liefen neue Meldungen über Funk ein. Der Pegelstand wurde ständig angepasst. Notmaßnahmen ergriffen. „Dies im Team und mit dem Equipment zu erleben, ist sinnvoll“, so Janina Sievers, für die Lagekartenführung zuständig.
Bereits im vergangenen Jahr waren Mitarbeiter des Kreises in Neuenahr- Ahrweiler, um sich an einer Übung zu beteiligen. Die Erfahrungen waren nach Angaben von Klimant hilfreich. Ein kontinuierlicher Austausch ist geplant. „Es ist ein riesiger Aufwand, der sich lohnt“, so Klimant. Eine praktische Übung sei einfach unerlässlich. Denn zu optimieren, so der Landrat, gebe es immer etwas.
Angela Schmid Norddeutsche Rundschau
   http://zeitungen.boyens-medien.de/aktuelle-nachrichten/zeitung/artikel/brunsbuettel-notfallplaene-fuer-die-schleusen.html  

Bem.Btr. HP.: ich hoffe für meine Kolegen in Brunsbüttel, dass Sie für Ihren tollen  Fleiß bei der Instandsetzung der Tore grosse Schleuse am meisten damit belohnt werden, dass keine Sturmflut kommt, nach der sehr fahrlässigen Vernachlässigung der WSV WSA in ganz Deutschland( außer Bayern Donau ) aus Bayern Herrn Dr. Ramsauer BMVBS.

A) Küste für schwere Orkane nicht gerüstet

B) Diesem Pfahl entgeht nichts 3-D-Wellenmaschine erzeugt realistischen Seegang
31. Oktober 2012 | 07:00 Uhr | Von bg Henning Baethge Norddeutsche Rundschau

Schietwetter auf Sylt - schon bei leichten Orkanen wird es ungemütlich. Foto dpa

Der Nordsee drohen verstärkt Sturmfluten - und die Katastrophenhilfe hat Mängel. Eine länderübergreifende Katastrophenübung soll helfen, diese zu beseitigen.
Berlin / Kiel. In Deutschland wird es künftig deutlich mehr Stürme und Sturmfluten als bisher geben. Wie der Vize-Präsident des Deutschen Wetterdienstes, Paul Becker, gestern in Berlin vor Journalisten sagte, werde sich die Zahl schwerster Winterstürme mit mehr als 125 Stundenkilometern im Lauf dieses Jahrhunderts hierzulande verfünffachen. Statt statistisch alle 25 Jahre würden solche Orkane dann alle fünf Jahre toben. Schon zwischen den beiden letzten Orkanen der Stärke 12 und mehr lagen nur acht Jahre: Auf "Lothar" im Jahr 1999 folgte 2007 "Kyrill". "Solche Stürme können Todesopfer fordern und Milliardenschäden verursachen", warnte Becker. Und Orkane der Stärken 10 und 11 würden künftig sogar zweimal in jedem Winter auftreten. Bisher ist das im Schnitt nur einmal der Fall.+ Der Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, Christoph Unger, sagte auf derselben Pressekonferenz, dass ein Ereignis wie der Hurrikan "Sandy" an der amerikanischen Ostküste zwar "in diesem Ausmaß in Deutschland nicht denkbar" sei. Doch auch für die hierzulande möglichen Orkane und Sturmfluten sei die Nordseeküste nicht ausreichend gewappnet. "Wir müssen feststellen, dass das Thema Evakuierung, großräumig, über eine längere Dauer, bei einer höheren Personenzahl, in den letzten Jahrzehnten nicht so intensiv bearbeitet worden ist, wie wir uns das vorstellen", sagte Unger gestern. Aufgrund der durch den Klimawandel wachsenden Sturmflutgefahr seien bessere Vorkehrungen aber dringend nötig. Große Katastrophenschutz-Übung Unger kündigte daher für das Jahr 2015 eine große Katastrophenschutz-Übung für die gesamte Nordseeküste gemeinsam mit Holland, Dänemark und den deutschen Bundesländern an: "Wir werden für ein Szenario wie die große Mandränke im Mittelalter üben." Im Jahr 1362 überschwemmte eine schwere Sturmflut die Nordseeküste und versenkte vermutlich die sagenum wobene Stadt Rungholt. An der Übung 2015 sollen auch Bundeswehr, Hilfsorganisationen und Stromversorger teilnehmen. Die Bürger würden nicht einbezogen. Vor allem die Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern müsse besser werden, kritisierte Unger. Die Elbhochwasser 2002 und 2006 hätten gezeigt, dass die Koordination zwischen Bund und Ländern im Katastrophenfall zu wünschen übrig lasse. "Es gab keinen vernünftigen Informationsaustausch und kein einheitliches Lagebild." Norddeutsche Rundschau
Montag, 29. Oktober 2012 | Von: Michaela Reh

Brunsbüttel: Notfallpläne für die Schleusen

Brunsbüttel (mir) Unruhige Nächte erleben derzeit die Verantwortlichen des Wasser- und Schifffahrtsamtes Brunsbüttel. Wie ein Damoklesschwert schwebt ein möglicher Totalausfall über dem maroden Bauwerk aus der Kaiserzeit. Die große Südkammer ist bereits dicht - fällt jetzt auch noch die Nordschleuse aus, könnten große Schiffe den Kanal erst einmal nicht mehr passieren. Mindestens drei Tage würde es dauern, bis ein Reserve-Tor eingebaut ist. Sorgen bereitet auch die Große Südschleuse, die wegen Reparaturarbeiten brach liegt. Bereits vor Wochen wurde das elbseitige Tor ausgebaut, dieses Tor jedoch ist zur Sturmflutsicherung unerlässlich. Deshalb hat man beim WSA den Wetterbericht fest im Blick - um im Notfall auch hier ein Reserve-Tor zu montieren.
B)Wetterdaten, Seegang, Sandtransport – Diesem Pfahl entgeht nichts Neufeld/Hamburg Wie viel Sand trägt der Fluss bei Ebbe und Flut mit sich? Wie ändert sich die Anzahl der Mikro-Lebewesen? Viele Vorgänge der Tideelbe sind noch ungeklärt. Ein auffälliges Instrument in der Elbmündung am Rand des Neufelder Watts soll das ändern. Hier, weit vor dem Dithmarscher Ufer, haben Forscher des Helmholtz-Zentrums Geesthacht (HZG) und der Hamburg Port Authority (HPA) einen 17 Meter hohen und zwei Tonnen schweren Messpfahl errichtet. Der Preis habe bei etwa 100 000 Euro gelegen, so das HZG. Dafür hat der Pfahl es aber wirklich drauf: Bestückt mit vielen Sensoren, liefert er Wetterdaten, misst Wasserstand, Strömung, Seegang, Sedimentkonzentration sowie Phytoplankton und Sauerstoffgehalt. Der Pfahl sei Teil einer vielfältigen Instrumentenkette des Beobachtungssystems „Cosyna“ entlang der Nordseeküste, erklärt Dr. Rolf Riethmüller, Küstenforscher am HZG. Unter anderem sollen die Geräte helfen zu klären, „ob das Wattemeer dem Meeresspiegelanstieg folgen kann“. Soll heißen: Nimmt die Fläche des Wattenmeeres mit dem Klimawandel zu oder ab? Aufschluss aus den Daten erhofft sich auch Hamburg. Das HPA, so ihr Sprecher Alexander Schwertner, müsse mit ständigem Baggern den Tiefgang im Hafen der Elbmetropole gewährleisten. Für das Hafenmanagement dürfte daher diese diskutierte Arbeitshypothese von vitalem Interesse sein: Bei einer vertieften Elbe nimmt der Sedimenttransport flussaufwärts zu, es fällt mehr Baggergut an. Ob dies wirklich so ist – auch das soll der Pfahl ermitteln helfen. bluInternet: www.cosyna.de   Berliner Morgenpost

3-D-Wellenmaschine erzeugt realistischen Seegang

  Seegangsszenarien wie in der Realität: In Hannover wird die Stabilität von Deichen und Offshore-Anlagen erforscht. 72 Wellenblätter lassen Wellen sogar aus verschiedenen Richtungen kommen   Stabil stehende Offshore-Windanlagen, überflutungssichere Hochwasserwände und Deiche, umweltfreundliche Fischkäfige – die Praktikabilität von Bauwerken am und im Meer wird die Wissenschaft in Zukunft vor große Aufgaben stellen. Bis jetzt wurde die Tauglichkeit von vielen dieser Konstruktionen und Bauwerken ausschließlich im Wellenkanal getestet. Doch der Wellenlauf in einem klassischen Wellenkanal kann die Realität nur unzureichend abbilden: Die Brecher, die im Kanal nur aus einer einzigen Richtung anrollen, kommen unter natürlichen Bedingungen oft aus unterschiedlichen Richtungen und überlagern sich meist auch noch. Deshalb werden im Franzius-Institut für Wasserbau und Küsteningenieurwesen in Hannover solche Bauwerke jetzt auch in einem dreidimensionalen Wellenbecken getestet. In diesem 3-D-Becken kommen die Wellen aus unterschiedlichen Richtungen – wie auch in der Realität. Möglich wird dies durch 72 Motoren, die unabhängig voneinander 72 sogenannte Wellenblätter bewegen können. Dabei kann die 3-D-Wellenmaschine „nicht nur dauerhaften Seegang produzieren, sondern sogar auch Unregelmäßigkeiten und unnatürlichen Reflexionen im Seegang technisch entgegenwirken“, so der Küsteningenieur Nils Kerpen vom Franzius-Institut. Das ist durch hochmoderne Messtechnik möglich: Denn jedes Wellenblatt ist mit einem Messgerät für den Wasserstand gekoppelt, von dem es immer wieder neu die Daten des Istzustandes der Wellenhöhe bezieht. Anhand dieses Istzustandes kann seine Bewegung dann wieder so weit korrigiert werden, dass es auf die Erzeugung der für den jeweiligen Versuch gewünschten Wellenhöhe zurückgefahren wird. Derzeit haben die Küsteningenieure eine schematisierte Hochwasserwand, wie sie etwa beim Städtchen Brake an der Unterweser steht, im Maßstab von eins zu zehn diagonal in das 3-D-Wellenbecken eingebaut. Hochwasserwände sind mit Steinen gemauerte oder mit Beton, Stahl oder Holz angefertigte Wände, die vor allem in Häfen und in solchen Bereichen aufgestellt werden, wo herkömmliche Deiche aus Platzmangel nicht gebaut werden können. Die auf die Miniatur-Hochwasserwand auftreffenden Wellen werden nach Berechnungen der Forschungsstelle Küste des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) erzeugt. „Dafür haben wir ein Szenario berechnet, das die Wellenhöhen widerspiegelt, wie sie bei einer Sturmflut auch in der Natur vorkommen könnten“, sagt die Wissenschaftlerin der Forschungsstelle Küste des NLWKN, Cordula Berkenbrink. Das Problem: „Die bisherige Abschätzung der Höhe der Hochwasserschutzwände basiert auf einer Berechnungsformel, die aus Ergebnissen von Wellenkanalversuchen hergeleitet wurde.

Wellen überlagern sich häufig

Da man in dem Wellenkanal aber nur Wellen aus einer einzigen Richtung erzeugen kann, die Wellen sich in der Natur aber meist überlagern und aus verschiedenen Richtungen kommen, sind diese Versuche nicht ausreichend“, weiß Berkenbrink. Aber in der freien Natur kann man die Belastungen auf die Bauwerke durch die Wellen schwerlich messen, da die wirklich gefährlichen Szenarien nur sehr selten vorkommen. „Deshalb werden in dem 3-D-Wellenbecken repräsentative Schutzwände eingebaut und mit unterschiedlichen Seegangsszenarien belastet“, sagt Berkenbrink. Mit diesen Daten können die Wissenschaftler dann eine Modellierungsmethode entwickeln, mit der sie die Höhe der Schutzwände in ganz Niedersachsen sicher und wirtschaftlich berechnen können. „Nach unseren ersten Erkenntnissen resultieren aus den frontal auflaufenden Wellen wesentlich höhere Wellenhöhen als aus den schräg auf die Schutzwände auftreffenden Wellen“, erklärt Projektleiter Kerpen. Derzeit untersucht der Küsteningenieur, inwieweit sich die aus verschiedenen Richtungen kommenden Wellen auch noch überlagern können und dadurch die Wellenhöhen abermals gesteigert werden.

Furcht vor dem Hangrutsch am Deich

„Gerade die Wellen eines starken Sturmereignisses sind eine echte Gefahr für Hochwasserschutzwände und Deiche“, sagt Kerpen. Dabei kann es sein, dass Seegang, der zu häufig über die Deichkrone läuft, an der landeinwärts gelegenen Böschung des Deiches eine Hangrutschung auslösen kann. „In der Vergangenheit, beispielsweise bei der Sturmflut von 1962, war genau diese Versagensform eines Deiches die Regel. Rutscht die schützende Kleischicht auf der Binnenseite ab, sodass der Sandkern freiliegt und das überlaufende Wasser ihn herausspült, dann bricht der Deich“, weiß Berkenbrink. Eine Katastrophe für Anwohner, Landwirtschaft und Industrie. Mehr als 600 Kilometer durch Deiche und Hochwasserschutzwände gesicherte Küstenlinie gibt es allein in Niedersachsen. Und auf jedem einzelnen Meter dieser Linie muss ein solcher Deichbruch verhindert werden, denn seine Folgen können verheerend für ein ganzes Gebiet sein.

Gefahr für Offshore-Windparks

Doch Stürme und damit verbundene starke Wellenbewegungen bis hin zu Monsterwellen sind nicht nur für Hochwasserschutzwände und Deiche gefährlich. Sie sind auch für die Standhaftigkeit der Pfähle der großen Offshore-Windparks eine latente Gefahr. Deswegen messen die Hannoveraner Küsteningenieure im Wellenkanal auch genau, welchen Belastungen diese Offshore-Konstruktionen bei starkem Wellengang ausgesetzt sind. Dafür haben sie die riesigen Offshore-Türme auf den Maßstab eins zu 40 verkleinert und in ihren Wellenkanal gestellt. Gemessen wird mit einem neuen berührungslosen optischen Strömungsmesssystem: Mithilfe eines Lasers und zweier Kameras lässt sich die genaue Geschwindigkeit, mit der die Wellen auf die Offshore-Anlagen treffen, errechnen. In das Pfahlmodell eingebaute Druckmessdosen zeichnen parallel auf, mit welchem Druck sie das tun, um zu ermitteln, wie stark die Stahlwand der innen hohlen Windkraftpfähle gebaut werden muss, um diesem Druck standzuhalten. Besonders gefährlich sind die in der Natur immer mal wieder auftretenden großen Wellen eines starken Sturmereignisses, die entstehen, wenn sich mehre Wellenkämme überlagern. Sie sind in der Lage, solche Pfähle auch einmal umzuknicken.

Druck von bis zu 500 Tonnen

„Wir waren selbst erstaunt, was für einen Druck diese großen Wellen auf die Pfähle ausüben, denn wenn eine Welle direkt auf den Pfahl auftrifft und dadurch bricht, können 17-fach höhere Lasten auftreten als bei einer ähnlich hohen, nicht brechenden Wellen. Das heißt im Klartext: bis zu 500 Tonnen“, berichtet Projektleiter Arndt Hildebrandt. Zum anderen wird gemessen, wie starker und stetiger Wellengang die Fundamente der Pfeiler beeinflussen kann. Denn erfahrungsgemäß graben die wellenindizierten Strömungsbewegungen die im Schlick und Sand gegründeten Pfähle regelrecht aus. Deshalb wurde das Modellfundament – wie in der Natur – auch im Wellenkanal im Sand gegründet. „Wenn man weiß, an welchen Standorten und mit welcher Intensität solche sogenannten Auskolkungen erfolgen, können die Betreiber der Offshore-Parks die Pfähle dann entweder entsprechend tiefer gründen oder die Fundamente durch Steine oder Geotextilien vor dem Ausgraben durch die Strömungen schützen“, sagt Hildebrandt. Für die Industrie können diese Erkenntnisse Einsparungen von vielen Millionen Euro bedeuten. Und noch eine weitere zukunftsweisende Technik wird im Wellenkanal und später auch im Wellenbecken in Hannover getestet werden: große Offshore-Käfige für die Aquakultur. Bis jetzt liegen die Aquakulturanlagen üblicherweise in seichten Gewässern in der Nähe der Küsten, wo sie große Probleme verursachen. Da wäre einerseits die Verbauung ganzer Küstenabschnitte, und andererseits belasten die in Farmen anfallenden Fäkalien sowie Futter- und Medikamentenreste der Fische die betroffenen Küstengewässer.

Aquakulturen in Bohrinseln integrieren

„Die Zukunft der Aquakultur liegt deshalb zweifelsfrei im offenen Meer“, meint Professor Bela Buck vom Zentrum für Aquakulturforschung (ZAF) in Bremerhaven. Weil die Strömungen im offenen Meer wesentlich stärker sind als in den seichten Küstengewässern, verteilen sich die Fischfäkalien schneller und weiträumiger. Der Nachteil: Hunderttausende von Fischen sind in den riesigen Käfigen im offenen Meer nur sehr kostspielig zu füttern, da die Käfige dafür extra mit Booten angefahren und an die Meeresoberfläche gezogen werden müssen. Ein Ausweg könnte deshalb darin liegen, die Fischkäfige der Aquakulturen gleich in die Offshore-Windkraftstrukturen oder in Bohrinseln zu integrieren. Im Wellenbecken wollen die Hannoveraner nun die zusätzlichen Lasten und die Wechselwirkungen zwischen Trägerkonstruktionen und Fischkäfigen untersuchen. Buck ist sicher:  „Eine Aufgabe, die wegweisend für die Zukunft der Fischzucht sein wird.“        
Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Schifffahrt News, Offshore Windkraftanlagenbau auf See, Der Kanal, Aktuelle News von g.goettling. Permanenter Link des Eintrags.

Über g.goettling

1953 das Licht der Welt in Stuttgart erblickt bis 1962 Stuttgart ab 1963 bis 1970 Bayerrn ( genauer Mittelfranken Lauf/Peg.) Schule ab 1970 Norden Lehrjahre sind keine Herrenjahre Matrose HAPAG 1976 AK 19 86 AM FHSR ( heute STW 95 unbeschränkt) 1992 -1997 Staukoordinator Abteilungleiter Reedereien Rheintainer Transglobe 1997 - Schleusenmeister, den es immer noch seefahrtsmässig in den Finger juckt, wenn er seine Kollegen fahren sieht, inzwischen auch wieder selbst fährt übergangsweise Fähre und ehrenamtlich Dampfschlepper Hamburger Hafen Museumshafen Övelgönne