Neues Ausbildungsverfahren verringert Anwärterzeit für Kanallotsen

Nachwuchs-Mangel: Flensburger Student „erfindet“ Lotsen-Studium httpv://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/hamburg_journal/media/hamj20543.html  Elbelotsen  
Mit dem Lotsenboot „Pilot“ bringt Kapitän Junge (li.) die Nautiker zu den Schiffen, die den Kanal passieren.
Foto: Brandao (3)
  Mit Hilfe einer Leiter gehen Lotsen an Bord. Ältermann Michael Hartmann (li.) und Fahrlotse Jens-Uwe Behrens.  
Nachwuchs-Mangel: Flensburger Student „erfindet“ Lotsen-Studium
FH Flensburg: „Wir wollen unser maritimes Studienangebot bedarfsorientiert ausbauen, gerade hier liegt ein wichtiges Zukunftsfeld“
FLENSBURG
Den See- und Hafenlotsen fehlt bundesweit der Nachwuchs. Ein Grund ist der bislang sehr zeitaufwendige Weg bis zur „Bestallung“ eines Lotsen: Nach Abschluss eines Nautikstudiums müssen Interessenten zunächst eine mehrjährige Fahrtzeit auf See hinter sich bringen. Erst dann können die Aspirantenausbildung und schließlich die Zulassung als Lotse erfolgen. „Die derzeit wieder sehr angespannte Arbeitsmarktsituation für deutsche Patentinhaber erschwert den Erwerb der erforderlichen Fahrtzeit“, weiß Hans-Hermann Lückert, Vorsitzender der Bundeslotsenkammer. „Viele junge Leute entscheiden sich daher schon bald nach ihrem Studienabschluss für einen Arbeitsplatz an Land. Damit erreichen sie trotz ihres nautischen Fachwissens nie die Stufe, an der die Bestallung als Lotse und damit die Aufnahme in eine Lotsenbrüderschaft möglich wäre.“ Im Rahmen einer Bachelor-Arbeit als Abschluss des Flensburger Studiengangs Seeverkehr, Nautik und Logistik hat Fachhochschulabsolvent Simon Esser ein Konzept zur Einrichtung eines Masterstudiengangs „Lotsenwesen“ erarbeitet. Der Student, der vor seinem FH-Studium bereits eine Ausbildung zum Polizeikommissar absolviert hat und studierter Dipl.-Verwaltungswirt ist, greift diese Problematik auf: „Ich habe analysiert, wie sich die bisher erforderliche Fahrtzeit auf See durch eine Kombination aus Anschlussstudium und praktischer Ausbildung ersetzen ließe. Damit könnten Nautikstudenten, die sich für den Lotsenberuf interessieren, direkt nach Erwerb ihres Bachelorstudiums in ein maßgeschneidertes Masterstudium übergehen, das ihnen umfassendes Wissen für die Lotstätigkeit vermittelt. Daran würde sich dann noch eine praktische Grundausbildung an Bord anschließen, der die ‚Bestallung‘ folgen könnte“. In seiner Arbeit zeigt Esser auf, dass dieses Modell gleich mehrere Vorteile hätte: Der Nachwuchs deutscher Lotsenbrüderschaften könnte unabhängig von der allgemeinen Arbeitsplatzsituation in der Handelsschifffahrt dauerhaft gesichert werden, die Ausbildungsdauer würde insgesamt komprimiert, für See- und Hafenlotsen wichtiges Fachwissen ließe sich noch umfassender vermitteln als bisher, und die Absolventen wären auch für andere Tätigkeiten im nautisch-technischen Bereich qualifiziert. „Hier sehe ich einen der entscheidenden Vorteile des von Herrn Esser entwickelten Konzepts“, betont Hans-Hermann Lückert, „ein Absolvent des von ihm skizzierten Studiengangs wäre beispielsweise auch bei Schifffahrtsbehörden, der Wasserschutzpolizei oder etwa bei maritimen Unternehmen einsetzbar, also überall dort, wo nautisches Fachwissen benötigt wird. Schließlich haben ja nicht nur wir als Lotsen in diesem Bereich Nachwuchsprobleme, sondern auch Behörden, andere öffentliche Institutionen und nicht zuletzt die Wirtschaft.“ Lückert hat Simon Essers Abschlussarbeit gemeinsam mit Frederik Erdmann, Dozent für Seeverkehrswirtschaft, Hafenwirtschaft und Seegüterverkehr an der FH Flensburg, betreut. Über das hervorragende Ergebnis seines Studenten freut sich auch Kapitän Günter Schmidt, der den Studiengang Seeverkehr, Nautik und Logistik an der FH Flensburg leitet: „Unser Ziel ist es, das maritime Studienangebot an unserer Hochschule bedarfsorientiert auszubauen. Und Bedarf an Lotsennachwuchs ist definitiv gegeben, deshalb liegt gerade hier ein wichtiges Zukunftsfeld.“
sh:z
  Kürzerer Weg zum Traumjob Neues Ausbildungsverfahren verringert Anwärterzeit für Kanallotsen / Jetzt steigen die Bewerberzahlen wieder Er verbindet Nord- und Ostsee und ist die meistbefahrene künstliche Wasserstraße der Welt: Der Nord-Ostsee-Kanal. Doch er zieht nicht nur viele Touristen an, sondern schafft auch eine Vielzahl an Arbeitsplätzen. In unserer Serie stellen wir in loser Reihenfolge Berufe rund um den Kanal vor. Heute: Die Lotsenbrüderschaft NOK I Brunsbüttel Arbeiten am und auf dem Wasser, gute Verdienstmöglichkeiten und ständig neue Kulturen kennenlernen – eigentlich ist der Beruf des Lotsen ein Traumjob. Trotzdem mangelt es den Nautikern seit einigen Jahren an Nachwuchs. Rund 780 Lotsen sind zurzeit in ganz Deutschland im Einsatz. Aufgrund von Altersabgängen könnten jedes Jahr 30 neue Anwärter eingestellt werden, doch die Zahl der Bewerbungen ist überschaubar. Auch die Brunsbütteler Kanallotsen sind von diesem Problem betroffen. Ältermann Michael Hartmann kennt den Grund: „Nach dem Erwerb des Kapitänspatents an einer Fachhochschule folgt die Ausbildung zum Wachoffizier, zu der 24 Monate auf See gehören. Um sich als Lotse bewerben zu können, sind weitere zwei Jahre Fahrzeit nötig. Insgesamt käme ein Anwärter so auf eine Ausbildungszeit von 96 Monaten. Das ist eine verdammt lange Zeit.“ Vor einigen Jahren hat die Lotsenbrüderschaft NOK I deshalb ihr Ausbildungsverfahren modifiziert. „Um früher Zugriff auf den Pool von jungen Nautikern zu haben, hat man einen alternativen Zugangsweg festgelegt“, erklärt Hartmann. Nach dem Erwerb des Kapitänspatents können angehende Kanallotsen jetzt auch durch eine um sechs Monate verlängerte Gesamtausbildung ihr Ziel erreichen. Der praktische Bezug stehe dabei ganz klar im Mittelpunkt. „Wir haben neue und verbindliche Ausbildungstrukturen geschaffen, bei denen vor allem der praktische Umgang mit den Schiffen vermittelt wird.“ Jeder Anwärter hat während dieser Zeit eine Art Mentor – ein eigens dafür ausgebildeter Fahrlotse – an seiner Seite, der ihn begleitet. Dazu gehört neben Mitfahrten auf dem Schiff und Training im Simulator auch einiges an Theorie. „Es ist eine straff durchstrukturierte Zusatzausbildung, aber nach dieser Zeit wissen wir auch, dass sie es können.“ Mit diesem Weg beschreiten die Lotsen in der Schleusenstadt Neuland und waren die erste Brüderschaft, die ihren Nachwuchs auf diese Weise ausgebildet hat. Dass sie damit auf dem richtigen Weg sind, zeigt sich auch an der steigenden Anzahl der Bewerber. „Für den nächsten Jahrgang im August haben wir elf neue Probanden zugelassen. Und wir können jetzt endlich wieder aus Qualität auswählen“, freut sich der 58-Jährige. Denn: Trotz Nachwuchsmangels sind die Anforderungen an die angehenden Lotsen hoch. „Ein Schiff ist eine sehr technische Umwelt, die einem eine Menge abfordert. Man darf keine Berührungsängste haben und muss offen sein. Außerdem sollte man der englischen Sprache mächtig und bereit sein, Verantwortung zu übernehmen.“ Auch die Arbeit an Bord sei nicht Jedermanns Sache, weiß Hartmann. „Ein Schiff bewegt sich, manchmal auch sehr unangenehm und es herrscht ein permanenter Geräuschpegel, mit dem man erst einmal klar kommen muss.“ Wer alle Voraussetzungen erfüllt, kann sich mit der Ausbildung zum Lotsen jedoch einen Traum erfüllen. „Wir bieten jungen Nautikern eine dauerhafte Berufsperspektive, gute Verdienstmöglichkeiten und eine zusätzliche Altersvorsorge“, betont der Ältermann. Bei den rund 32000 Schiffen, die jedes Jahr durch den Kanal fahren, sei Abwechslung zudem garantiert. Nach den positiven Erfahrungen in Brunsbüttel haben auch andere Lotsenbrüderschaften den alternativen Zugangsweg übernommen. Doch trotz der attraktiven Konditionen und der komprimierten Ausbildungszeit ist eine Sache noch immer Mangelware, sagt Hartmann schmunzelnd: „Ich hatte eigentlich mit mehr weiblichen Bewerbern gerechnet.“ Anabela Brandao Norddeutsche Rundschau            
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Über g.goettling

1953 das Licht der Welt in Stuttgart erblickt bis 1962 Stuttgart ab 1963 bis 1970 Bayerrn ( genauer Mittelfranken Lauf/Peg.) Schule ab 1970 Norden Lehrjahre sind keine Herrenjahre Matrose HAPAG 1976 AK 19 86 AM FHSR ( heute STW 95 unbeschränkt) 1992 -1997 Staukoordinator Abteilungleiter Reedereien Rheintainer Transglobe 1997 - Schleusenmeister, den es immer noch seefahrtsmässig in den Finger juckt, wenn er seine Kollegen fahren sieht, inzwischen auch wieder selbst fährt übergangsweise Fähre und ehrenamtlich Dampfschlepper Hamburger Hafen Museumshafen Övelgönne