Bremerhaven. Kommende Woche erreichen die Containerbrücken den Jade-Weser-Port. Können sie auf der löchrigen Kaje abgestellt werden?

Das Schweigen der Rammer

Druck bei Jade-Port wirkt schon

Der Jade-Weser-Port nimmt nächste Woche Gestalt an. Voraussichtlich zwischen Dienstag und Donnerstag werden die vier riesigen Krananlagen, sogenannte „Containerbrücken“, auf einem Frachtschiff in Wilhelmshaven eintreffen. Sie waren seit Wochen von Schanghai nach Deutschland unterwegs, der genaue Ankunftstermin ist nun vom Seegang abhängig. Mit diesen mächtigen Hebeanlagen, die ingesamt 40 Millionen Euro kosten sollen, werden später die Containerschiffe im Jade-Weser-Port entladen.
Foto: Der Jade-Weser-Port bekommt für 40 Mio. Euro neue Container-Hebeanlagen.
Der Jade-Weser-Port bekommt für 40 Mio. Euro neue Container-Hebeanlagen.
© dpa
Hannover/Wilhelmshaven. Wirtschaftsminister Jörg Bode sieht trotz der jüngst aufgetretenen Schäden in der Kajenmauer des Hafens keine Probleme für den zügigen Fortgang der Arbeiten: Ein Sachverständiger habe bestätigt, dass die Mauer standfest ist. Deshalb werde der Betreiber Eurogate sicher rasch die Containerbrücken an Land bringen und installieren. Der Probebetrieb des Hafens, den Eurogate schon Anfang Mai starten will, könne dann auch beginnen. Die Baufirmen unter Leitung des emsländischen Unternehmens Bunte seien dabei, die 55 sogenannten „Schloss-Sprengungen“, Löcher in der Kajenmauer, zu reparieren. Für den ersten Teil der Kaje werde dies bis Mai erledigt sein. „Unser Brief an die Baufirma zeigt Wirkung“, sagt Bode. Das Land hatte auf eine zügige Beseitigung der Schäden gedrängt. Derzeit seien zehn Mitarbeiter der Baufirmen dabei, über ein spezielles Hochdruckverfahren die Sprengungen von Landseite aus mit Zement zu verschließen. Auf der Wasserseite arbeiten 20 Taucher daran, die Öffnungen zunächst provisorisch abzudichten. Ab Ende März sollen dann 80 Taucher an sieben Tagen in der Woche rund um die Uhr mit der endgültigen Reparatur beschäftigt sein. Sie sollen Stahlplatten aufschweißen.
[Klaus Wallbaum]
Wie viele Risse hat sie inzwischen? Es gibt viele Fragen. Aber keine Antworten. Die Jade-Weser-Port-Realisierungsgesellschaft (JWP) verweigert jede Aussage. Und Eurogate verweist bei Fragen an die Schweiger aus Wilhelmshaven. Von Klaus Mündelein Offenbar richten sich alle, die beim Thema Tiefwasserhafen eine Rolle spielen, auf einen Untersuchungsausschusses des niedersächsischen Landtags ein. Und mit Klagen dürfte ebenfalls zu rechnen sein. Auch auf die Landesregierung in Bremen wächst der Druck. Hat man als Anteilseigner genügend kontrolliert? Die CDU wirft Hafenstaatsrat Dr. Heiner Heseler vor, sich blindlings auf Axel Kluth, Geschäftsführer der Realisierungsgesellschaft, verlassen zu haben. Und das scheint wohl immer noch so zu sein. Als Anfang Februar angesichts der vielen Risse in der Spundwand heftig über die Ursachen diskutiert wurde, schickte Heseler einen Fragenkatalog an Kluth. Entscheidende Frage: „Wurde die Baumaßnahme wie ausgeschrieben angeboten und beauftragt ausgeführt?“ Aus Wilhelmshaven bekam er die Antwort „Alles in Ordnung“. So stellte es Heseler auch im Landeshafenausschuss dar: Die Bauweise der Kaje entspreche der Ausschreibung und dem Bauvertrag. Aber worauf basiert das Urteil? Zur Beantwortung von Heselers Fragen wurden zwei „gutachterliche Stellungnahmen“ nach Bremen geschickt. Bei denen konnte der erste Gutachter bemerkenswerterweise gar nichts zur ordnungsgemäßen Bauausführung sagen. Der zweite Gutachter, Professor Dr. Werner Richwien, bestätigte, dass die Rammarbeiten wie ausgeschrieben und beauftragt ausgeführt worden waren. Auf Nachfrage stellt er allerdings klar, dass er bei seiner Bewertung sich auf die Daten verlassen müsse, die er vom Auftraggeber bekommt – und das ist die Jade-Weser-Port-Realisierungsgesellschaft. Vielleicht sollte man einen neutralen Gutachter einschalten. Das fordern Kritiker. Der Aufsichtsrat der Realisierungsgesellschaft, in dem Heseler als Vertreter des Landes Bremen sitzt, hätte sich ein Gutachten zum Beispiel von der Bundesanstalt für Wasserbau einholen sollen. Über so ein Gutachten werde nachgedacht, sagt Holger Bruns, Sprecher des Hafenressorts. Inzwischen gebe es etliche Fragenkataloge für Wilhelmshaven. Beobachter gehen davon aus, dass die Baufirmen nicht mit den Geräten die Spundwand gerammt haben, die sie in der Ausschreibung angeboten haben und mit denen sie den Auftrag erhalten haben. Der Bauvertrag sei also mangelhaft erfüllt worden. Die Länder Bremen und Niedersachsen müssten Wertminderung in Millionenhöhe geltend machen. Bemerkenswerterweise wurde die Bauausführung bereits vor drei Jahren bemängelt. Und auch die ungewöhnlich hohe Zahl an Rissen in der Kaje wurde vorausgesagt. Damals schmiss Bremenports die Brocken hin. Die Hafengesellschaft war in Wilhelmshaven Gesellschafterin für das Land Bremen, wollte aber nicht mehr die Verantwortung für die Bauausführung übernehmen. Weder ihre Expertise noch die der Baufirmen, die den CT 4 fehlerlos in den Schlick gerammt hatten, war damals gefragt. Das Ressort verließ sich offenbar auf Kluth. Dem Vernehmen nach verlässt sich Eurogate nicht so einfach auf Beschwörungsformeln aus Wilhelmshaven. Derzeit werde mit der Realisierungsgesellschaft darüber verhandelt, wo die Containerbrücken hingestellt werden können, hieß es. Es geht auch um Haftungsfragen, denn ohne offizielle Abnahme des Hafens sind die Baufirmen angeblich hier für alles verantwortlich.
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Über g.goettling

1953 das Licht der Welt in Stuttgart erblickt bis 1962 Stuttgart ab 1963 bis 1970 Bayerrn ( genauer Mittelfranken Lauf/Peg.) Schule ab 1970 Norden Lehrjahre sind keine Herrenjahre Matrose HAPAG 1976 AK 19 86 AM FHSR ( heute STW 95 unbeschränkt) 1992 -1997 Staukoordinator Abteilungleiter Reedereien Rheintainer Transglobe 1997 - Schleusenmeister, den es immer noch seefahrtsmässig in den Finger juckt, wenn er seine Kollegen fahren sieht, inzwischen auch wieder selbst fährt übergangsweise Fähre und ehrenamtlich Dampfschlepper Hamburger Hafen Museumshafen Övelgönne