Verkehrsprojekte Schleswig Holstein

  1,9 Millionen Kubikmeter Aushub Beim Bau der neuen großen Schleuse in Brunsbüttel wird Erdreich per Schiff zu einer 60 Hektar großen Lagerstätte am Kanal transportiert Brunsbüttel Es ist das Bauvorhaben schlechthin in Brunsbüttel: die neue große Schleuse. Über das 300-Millionen-Projekt, dessen Umsetzung in diesem Jahr beginnt, berichtete der Hamburger Planer Hinnerk Sunderdiek (WTM Engineers) am Montagabend beim Nautischen Verein. Sunderdiek, dessen Firma gemeinsam mit dem Büro KED die Planung für das Wasser- und Schifffahrtsamt entwickelt, schilderte das Projekt als logistisch anspruchsvolle Baustelle. Denn die neue dritte große Kammer wird in der jetzigen Schleuseninsel zwischen großer Südkammer und kleiner Nordkammer entstehen. Dabei muss der Hochwasserschutz zur Elbe ebenso berücksichtigt werden wie der laufende Betrieb im Kanal. Zusätzlicher Verkehr entsteht durch den Abtransport des Bodenaushubs. In den rund fünf Jahren bis zur Fertigstellung werden 1,9 Millionen Kubikmeter Boden ausgehoben und etwa zwölf Kilometer weit zu einer Lagerstätte am Nord- Ostsee-Kanal gebracht. Auf Steinburger Seite sind dafür 60 Hektar im Bereich zwischen Kudensee und Ecklak vorgesehen. In den 60er Jahren war dies ein Spülfeld. Pro Tag, so Sunderdiek, sei der Abtransport von 2500 Kubikmetern Aushub von der Baustelle per Schiff vorgesehen. Für den Bau der neuen 360 Meter langen, 46 Meter breiten und 14 Meter tiefen Kammer werden rund 25000 Tonnen Spundwandstahl verarbeitet und 100 000 Kubikmeter Beton. Beim Setzen der Spundwände und beim Aushub muss Rücksicht auf die bestehenden Schleusenbauwerke genommen werden. Die kleinen Schleusen etwa sind seit 116 Jahren in Betrieb. Deshalb werden die Stahlsegmente nicht in den Boden geschlagen, sondern in Schlitze gewissermaßen eingesetzt. Die erforderlichen Pfahlgründungen werden ebenfalls nicht gerammt, sondern in gebohrte Löcher gesetzt. Den Beginn der Arbeiten markiert die Verlängerung der Mole 2 um 70 Meter und die Anlage eines neuen Profils für den so genannten Vorhafen an der Elbe. Das wird rund ein Jahr dauern, Beginn soll in diesem Jahr sein. Nebenher wird auf der Schleuseninsel das Baustellenzentrum eingerichtet. Denn, erklärt der Planer: „Man kann nicht mit Lkw auf das Gelände gelangen.“ Sämtliche Materialien werden per Schiff angeliefert. Die Baustelle selbst sei zunächst eine normale Landbaustelle. Wenn nach etwa viereinhalb Jahren die neue Groß-Schleuse fertig ist, steht für die beiden 100 Jahre alten Kammern die lange geforderte Grundsanierung auf dem Plan – die beiden kleinen wurden bereits in den 1980ern von Grund auf überholt. Dann erhalten sie neue Tore, die identisch zu denen sind, die in die neue Kammer eingebaut werden. Das, so Sunderdiek, erleichtere bei einem Schaden den Austausch. Ohnehin, betonte der Planer, werde auf Wartungsfreundlichkeit und niedrige Unterhaltungskosten Wert gelegt. Ziel sei „eine robuste Konstruktion“ des Bauwerks. Über allem aber steht die Finanzierung, um die im Vorigen Jahr vehement gekämpft worden war, nachdem die Vorplanungen bereits 2008 angelaufen waren und der Mitteldüker, ein Versorgungstunnel unter den Schleusen, inzwischen fertig gestellt ist. Sunderdiek: „Das Ganze steht in einem begrenzten Kostenrahmen.“ Mit einer Tiefe von 14 Metern wird die neue Schleuse zukunftsfähig angelegt. Denn überlegt wird eine Vertiefung der Fahrrinne im Kanal um einen Meter. Nicht geklärt ist jedoch die Entwässerungsproblematik der Wasserstraße. Daran erinnerte Bernd Appel, Vorsitzender des Nautischen Vereins. Die Verantwortlichen ließen außer Acht, dass große Flächen entlang des Kanals zwischen Brunsbüttel und Kiel in die künstliche Wasserstraße entwässern. Diese zusätzlichen Wassermassen müssten in der Regel über die Elbe abfließen. Was bedeutet, dass die Schleusen bei Ebbe geöffnet werden, um den Pegel zu regulieren. Das wird seit Tagen so gemacht in Brunsbüttel und bedeutet jedes Mal Zwangspausen für den Schiffsverkehr. Michael Hartmann, Ältermann der Lotsenbrüderschaft NOK I, ergänzte, dass nicht nur die Zahl der Schiffe zunehme, sondern auch deren Größe seit Jahren wachse. Heute liege die durchschnittliche Bruttoregisterzahl eines Schiffs, das Kanal befährt, bei 5600 BRZ. 30 Jahre zuvor seien dies noch 1800 BRZ gewesen. Hartmann: „Das sind Quantensprünge.“ Zwangspausen durch Ausfälle der Schleusen – im vorigen Jahr summierte sich dies auf 2600 Stunden – und zusätzlich die Entwässerung durch Hochwasser im Kanal seien kontraproduktiv, machte er deutlich. Die neue Großschleuse sei erst der Startschuss für den gesamten Kanalausbau in den kommenden Jahren. Dem könne sich die Bundesregierung als Träger des Kanals nicht entziehen. Einer Vertiefung stünden die Lotsen aber skeptisch gegenüber, betonte Hartmann. Denn dadurch verkleinere sich die Fahrrinne in der Breite für die großen Schiffe. Ralf Pöschus 
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Über g.goettling

1953 das Licht der Welt in Stuttgart erblickt bis 1962 Stuttgart ab 1963 bis 1970 Bayerrn ( genauer Mittelfranken Lauf/Peg.) Schule ab 1970 Norden Lehrjahre sind keine Herrenjahre Matrose HAPAG 1976 AK 19 86 AM FHSR ( heute STW 95 unbeschränkt) 1992 -1997 Staukoordinator Abteilungleiter Reedereien Rheintainer Transglobe 1997 - Schleusenmeister, den es immer noch seefahrtsmässig in den Finger juckt, wenn er seine Kollegen fahren sieht, inzwischen auch wieder selbst fährt übergangsweise Fähre und ehrenamtlich Dampfschlepper Hamburger Hafen Museumshafen Övelgönne