Millionen im Kanalbetrieb verschenkt Experten für neues Gebührensystem beim NOK Kiel

millionen_im_kanalbetrieb_verschenkt Millionen im Kanalbetrieb verschenkt Experten für neues Gebührensystem beim NOK Kiel Der Nord-Ostsee-Kanal ist die am meisten befahrene künstliche Wasserstraße der Welt. Ein Monopol im Verkehrsbereich. Rentabel ist der Kanal dennoch nicht. Im Gegenteil. Abgaben, die Schiffe für das Befahren des Kanals zahlen müssen, decken nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums in Berlin gerade einmal rund 30 Prozent seiner Betriebskosten. Dass dies nicht so sein muss, haben nun Wissenschaftler des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) in einer Studie gezeigt. Die Autoren rechnen dabei vor, dass die Gebühren für das Durchfahren des Kanals insgesamt nicht optimal gewählt sind. Die Kieler Forscher haben dafür die Route durch den NOK mit den alternativen Strecken rund um Dänemark verglichen. Das Ergebnis: Es wäre sinnvoll, die Gebühren spezifisch den passierenden Schiffen anzupassen. Im Klartext: Es sollte an den Stellschrauben der Kanalgebühren gedreht werden – und zwar in beide Richtungen. Für die Schiffe, die den Zielhafen Hamburg haben, könnten die Gebühren demnach durchaus angehoben werden. Haben die Frachter hingegen andere Ziele, etwa Rotterdam, wird häufiger die längere Route rund um Dänemark gewählt. Niedrigere Kanalgebühren könnten diesen Umweg teurer machen und damit mehr Schiffe in den Kanal holen, sind die IfW-Wissenschaftler überzeugt. Daneben schwebt ihnen vor, die Höhe der Gebühren an den Ölpreis zu koppeln. Mehreinnahmen von bis zu 32 Millionen Euro im Jahr wären möglich. Um alle Kosten des NOK zu decken, „würde es wahrscheinlich nicht ganz reichen“, räumt Ulrich Schmidt, einer der drei Studienautoren, ein. „Durch die wirtschaftliche Bedeutung des Kanals wäre er so aber aus volkswirtschaftlicher Sicht profitabel“, fügt er hinzu. Wieso man den NOK bislang derartig defizitär arbeiten lasse, sei ihm „schleierhaft“. Auch beim Bundesverkehrsministerium sieht man Handlungsbedarf. Eine „Erhöhung der Einnahmen im Sinne einer stärkeren Beteiligung der Nutzer“ werde geprüft, heißt es in Berlin. Einem Sprecher zufolge werde derzeit ein Gutachten zur künftigen Höhe und Gestaltung der Befahrungsabgabe am NOK erstellt. Til Norddeutsche Rundschau vielen Dank für die interessanten Artikel. Entsprechende Überlegungen zur Verbesserung der Kosten/Einnahmen-Relation für den NOK existieren ja offenbar schon länger. Siehe den in der IWF-Studie zitierten Beitrag von Böhme/Sichelschmidt (aus 1997!). Und ganz sicher gibt es entspr. Betrachtungen auch in der WSD (und im BMVBS allemal). Interessante Beurteilung durch einen ausgewiesenen Fachmann : Ich sehe das Ganze allerdings etwas gelassen. Die betriebswirtschaftlich-theoretische Betrachtung ist das eine, die praktische Machbarkeit einer solchen "optimalen Preisbildung", wie sie in der Studie vorgeschlagen wird, steht aber auf einem ganz anderen Blatt. Das haben die Autoren der Studie offensichtlich auch selbst erkannt, da sie ja schreiben, dass bei Nicht-Vorliegen der Informationen zu Abgangs- und Bestimmungshafen eine solche Preisermittlung praktisch nicht möglich wäre. Von der rechtlichen Zulässigkeit einer solchen Tarifierung mal ganz abgesehen kann ich mir schon vorstellen, dass bei der vorgeschlagenen Umstellung der Befahrensabgaben dann sofort die wilde Trickserei mit Bestimmungshäfen losgeht. Außerdem: wie man an der aktuellen Personaleinstellungs-Strategie der deutschen Reeder sieht, muss bei solchen Änderungen auch immer mit politischem "Druckaufbau" gerechnet werden. Also nach dem Motto "wenn ihr die Gebühren anhebt, fahren wir erstmal ein paar Monate nicht durch euren Kanal" Wir kennen doch alle unsere Reeder! Also unter dem Strich: eine methodisch (betriebswirtschaftlich-theoretisch) sicher nicht anzuzweifelnde Studie; aber das sind Betrachtungen vom gruenen Tisch.
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Über g.goettling

1953 das Licht der Welt in Stuttgart erblickt bis 1962 Stuttgart ab 1963 bis 1970 Bayerrn ( genauer Mittelfranken Lauf/Peg.) Schule ab 1970 Norden Lehrjahre sind keine Herrenjahre Matrose HAPAG 1976 AK 19 86 AM FHSR ( heute STW 95 unbeschränkt) 1992 -1997 Staukoordinator Abteilungleiter Reedereien Rheintainer Transglobe 1997 - Schleusenmeister, den es immer noch seefahrtsmässig in den Finger juckt, wenn er seine Kollegen fahren sieht, inzwischen auch wieder selbst fährt übergangsweise Fähre und ehrenamtlich Dampfschlepper Hamburger Hafen Museumshafen Övelgönne