Der Nord-Ostseekanal (NOK) – Jobmotor für Hamburg und Schleswig- Holstein – steht vor dem Infarkt. Experten warnen bereits vor einem drohenden Gau.

nok_gau   Der Nord-Ostseekanal (NOK) - Jobmotor für Hamburg und Schleswig- Holstein - steht vor dem Infarkt. Experten warnen bereits vor einem drohenden Gau. "Die 100 Jahre alten Schleusenanlagen in Brunsbüttel sind so marode, dass sie jeden Moment ausfallen können - dann ist der Kanal dicht", sagte am Donnerstag der Vorsitzende des Nautischen Vereins zu Kiel, Jürgen Rohweder. "Die Schleuse ist kurz vor dem Zusammenbruch; wir stehen vor einem GAU", warnt auch der Ältermann der NOK-Lotsenbrüderschaft, Stefan Borowski. Eine der beiden großen Schleusenkammern ist wegen technischer Mängel schon außer Betrieb, bei der zweiten läuft das Tor seit einer Woche nur noch auf selbstgebastelten Holzkufen. "Das ist eine Verzweiflungstat und das letzte Aufgebot der High-Tech-Gesellschaft", schimpft Rohweder. Angesichts der verheerenden Folgen für die Wirtschaft fordert er, den Bau der neuen Schleuse aus dem Gesamtpaket der Kanalsanierung herauszulösen und sofort in Angriff zu nehmen. Sonst bestehe die Gefahr, dass Containerschiffe nicht mehr Hamburg, sondern direkt Danzig ansteuern - oder Speditionen auf die Straße ausweichen. Eine Schreckensvision: "Dann hätten wir den Megastau bis ins Baltikum". Ein NOK-Feederschiff transportiere so viel Ladung wie 700 Lkw. Die Opposition im Landtag macht jetzt Druck. Das Flickwerk an den Schleusen sei "vollkommen unvertretbar", so der SSW. Die Landesregierung müsse handeln. Doch die läuft in Berlin gegen die Wand. "Mehrfach hat Verkehrsminister Jost de Jager seinen Bundeskollegen Peter Ramsauer auf den Ernst der Lage hingewiesen", erklärte Ministeriumssprecher Harald Haase. Sogar der Ministerpräsident habe sich mit einem Hilferuf an die Kanzlerin gewandt. Die Schifffahrtsverbände beklagen, dass Reedereien durch Wartezeiten hohe Kosten entstehen. Doch Berlin will nicht vor 2015 investieren. (kim, shz)

Brunsbüttel

Nord-Ostsee-Kanal bald nicht mehr befahrbar?

12. August 2011 | 06:45 Uhr | Von kim

Nadelöhr für den Schiffsverkehr - die Schleusenanlage in Brunsbüttel. Foto: grafikfoto.de

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Der Nord-Ostseekanal (NOK) - Jobmotor für Hamburg und Schleswig-Holstein - steht vor dem Infarkt. Experten warnen bereits vor einem drohenden Gau.
"Die 100 Jahre alten Schleusenanlagen in Brunsbüttel sind so marode, dass sie jeden Moment ausfallen können - dann ist der Kanal dicht", sagte am Donnerstag der Vorsitzende des Nautischen Vereins zu Kiel, Jürgen Rohweder. "Die Schleuse ist kurz vor dem Zusammenbruch; wir stehen vor einem GAU", warnt auch der Ältermann der NOK-Lotsenbrüderschaft, Stefan Borowski. Eine der beiden großen Schleusenkammern ist wegen technischer Mängel schon außer Betrieb, bei der zweiten läuft das Tor seit einer Woche nur noch auf selbstgebastelten Holzkufen. "Das ist eine Verzweiflungstat und das letzte Aufgebot der High-Tech-Gesellschaft", schimpft Rohweder. Angesichts der verheerenden Folgen für die Wirtschaft fordert er, den Bau der neuen Schleuse aus dem Gesamtpaket der Kanalsanierung herauszulösen und sofort in Angriff zu nehmen. Sonst bestehe die Gefahr, dass Containerschiffe nicht mehr Hamburg, sondern direkt Danzig ansteuern - oder Speditionen auf die Straße ausweichen. Eine Schreckensvision: "Dann hätten wir den Megastau bis ins Baltikum". Ein NOK-Feederschiff transportiere so viel Ladung wie 700 Lkw. Die Opposition im Landtag macht jetzt Druck. Das Flickwerk an den Schleusen sei "vollkommen unvertretbar", so der SSW. Die Landesregierung müsse handeln. Doch die läuft in Berlin gegen die Wand. "Mehrfach hat Verkehrsminister Jost de Jager seinen Bundeskollegen Peter Ramsauer auf den Ernst der Lage hingewiesen", erklärte Ministeriumssprecher Harald Haase. Sogar der Ministerpräsident habe sich mit einem Hilferuf an die Kanzlerin gewandt. Die Schifffahrtsverbände beklagen, dass Reedereien durch Wartezeiten hohe Kosten entstehen. Doch Berlin will nicht vor 2015 investieren. (kim, shz)

Erfolg des Bündnisses für den Nord- Ostsee- Kanal im Haushaltsausschuss!

Im Rahmen der gestern zu Ende gegangenen Haushaltsberatungen hat sich die schwarz- gelbe Koalition fünf Minuten vor zwölf doch noch der Vernunft, dem massiven politischen Druck und dem drohenden Wahldesaster gebeugt und stellt im Haushalt 2012 Gelder für den Bau der 5. Schleusenkammer in Brunsbüttel zur Verfügung.
Ein Erfolg für alle Menschen am Kanal, die sich in den letzten Wochen im Bündnis vernehmbar zu Wort gemeldet haben: Logistikunternehmen, Reedern, der Hafenwirtschaft und den Industrie- und Handelskammern gemeinsam mit Lotsenbrüdern und Nautischen Vereinen, den Mitarbeitern der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung, im Chor mit Ver.di, DGB und Betriebsräte unterstützt von Bürgermeistern, Landräten und der Politik in Hamburg und Schleswig- Holstein. Der zuständige Bundesminister Ramsauer erkannte in einem rasanten Lernprozess die Notwendigkeit der Investitionen am Nord- Ostsee- Kanal.
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Weitere interessante Informationen zum Neubau der 5. Schleusenkammer finden Sie auf den Seiten der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes:
Auf diesen Seiten befindet sich eine Simulationsstudie "Neubau 5. Schleuse Brunsbüttel
[Link]
Nadelöhr Nord-Ostsee-Kanal Frachterstau am NOK: Der Ausbau zieht sich, die Uralt-Schleusen von Brunsbüttel sind am Ende. Experten fordern eine neue Schleuse doch es reicht wohl nur für eine Sanierung.
Text Wolfgang Schmidt
Als die „neuen" Schleusen von Brunsbüttel tatsächlich neu waren, herrschte in Deutschland Kaiser Wilhelm II. 1914 fertiggestellt, verschaffen sie bis heute Schiffen aus aller Welt die Zufahrt zum Nord-Ostsee-Kanal – wenn sie nicht mal wieder aus Altersschwäche passen müssen. Stundenlang warten dann Frachter und verlieren wertvolle Zeit, die sie mit der Kanalpassage eigentlich einsparen wollten. „Die Schleuse ist kurz vor dem Zusammenbruch; wir stehen vor einem GAU", sagt der Ältermann der Lotsenbrüderschaft NOK II, Stefan Borowski. „Der technische Zustand ist ein Desaster", bestätigt der Vorsitzende des Nautischen Vereins Kiel, Jürgen Rohweder. „Es ist nicht fünf vor zwölf, sondern Viertel nach." Die beiden „alten", viel zu kleinen Schleusen, die auch noch in Betrieb sind, wurden übrigens 1887 bis 1895 gebaut. Doch ein Neubau scheint jetzt in weite Ferne zu rücken. Zwar hatte das Bundesverkehrsministerium schon Anfang 2007 entschieden, eine neue Schleuse zu bauen. Stattdessen sollen jetzt erst einmal die beiden bestehenden, maroden Schleusen von Grund auf saniert werden. Es sei wichtig, den Zugang zur meistbefahrenen künstlichen Wasserstraße der Welt zu erhalten, sagte Staatssekretär Klaus-Dieter Scheurle. Pro Schleuse kalkuliert er Kosten von rund 85 Millionen Euro, für den Neubau seien rund 300 Millionen veranschlagt. Nach Einschätzung von Experten droht dem Kanal aber ohne eine fünfte Schleusenkammer ein „Infarkt". Deshalb sollte der Neubau ursprünglich als Erstes entstehen, damit während der Sanierungsarbeiten an den beiden alten Schleusen genügend Kapazitäten für die Schiffe vorhanden sind. Ausbau verzögert sich Ohnehin steht der schon lange geplante Ausbau des Kanals, der ihn für die immer größer werdenden Schiffe besser passierbar machen soll, angesichts knapper Bundesmittel vor Finanzierungsproblemen. Nach den ursprünglichen Plänen hätten 2010 die ersten Bagger rollen sollen, 2014 sollte der Ausbau abgeschlossen sein. Alles in allem soll das Vorhaben 1,25 Milliarden Euro kosten, rechnet Scheurle vor. Darunter sind unter anderem der Neubau in Brunsbüttel, die Instandsetzung der Schleusen, die Verbreiterung einer Teilstrecke, die Vertiefung des 98,6 Kilometer langen Kanals und – nicht ganz so dringend – eine neue Schleuse auch in Kiel. Allerdings steht der Kanalausbau in Konkurrenz zu einer Reihe anderer Projekte wie der Elbvertiefung, die nach Schätzung des Staatssekretärs 300 Millionen Euro kosten dürfte. Erst nach den Haushaltsberatungen Ende November wisse man, wie viel Geld für Investitionen in Wasserstraßen bundesweit tatsächlich zur Verfügung stünden. In der Vorlage des Ministeriums waren es knapp 880 Millionen. Wann aber was gebaut wird, ist offen. Immerhin, so Scheurle, „steht der NordOstsee-Kanal in der obersten Kategorie." Tatsächlich ist die Bedeutung der Wasserstraße für den boomenden Schiffsverkehr groß (s. Kasten rechts). Die Reedereien müssen für die Nutzung Gebühren zahlen, verkürzen aber den Weg zwischen Hamburg und St. Petersburg gegenüber der Route durch Skagerrak und Kattegat um 250 Seemeilen. Das spart Zeit und umweltschädigenden Treibstoff - vorausgesetzt, die Schleusen machen mit. „Die Wartezeiten haben sich 2010 verdoppelt", sagt Lotse Borowski. Peter Messer von der Kanalagentur UCA berichtet von einer Reederei, deren Liegezeiten in Brunsbüttel allein von Mai bis Juli mit 100.000 Euro zu Buche schlugen. Im Mai kamen 256 Stunden zusammen. Die Tide und aus der Elbe eingespülter Sand hätten der Anlage so zugesetzt, dass sich die Schienen, auf denen die Schleusentore laufen sollen, faktisch aufgelöst haben, so Borowski. Eine Notkonstruktion mit einem Schlitten wurde gebaut. „Aber das schmirgelt und schleift", berichtet Borowski. „Der Kanal braucht einen Bypass, damit er keinen Infarkt erleidet." Gefährliche Alternativen Doch den wird es vorerst nicht geben. Dabei steht die Planung: Bäume wurden gefällt, Häuser abgerissen, das Gelände ist baureif. Der Düker - ein Versorgungstunnel unter den alten Schleusen - ist auch fertig. „Man könnte sofort loslegen", sagt Rohweder. Der Bau würde drei, vier Jahre dauern. Am Kiel Canal, wie er international heißt, hängen mehrere Tausend Jobs - darunter die von 320 Lotsen und 150 Kanalsteuerern, die während einer Passage das Ruder bedienen. Doch die Bedeutung reicht weiter: Ein Drittel des Hamburger Hafenumschlags für den baltischen Raum geht über die „nasse Autobahn". Reedereien verteilen die Ladung großer Containerfrachter in Hamburg auf kleinere Feederschiffe, die sie via Kanal gen Osten bringen. Auf der Straße müssten 700 Laster fahren, um ein einziges Feederschiff zu ersetzen -mit entsprechenden Folgen für die Umwelt. Wegen der Probleme in Brunsbüttel könnten Reedereien aber auf die Idee kommen, ihre großen Schiffe gleich um Skagen herum in die Ostsee nach Danzig oder St. Petersburg zu beordern. „Das würde den Hamburger Hafen erheblich schwächen", sagt Rohweder. Dabei stehen die Zeichen im Seeverkehr weiter auf Expansion: Das Bundesverkehrsministerium erwartet, dass der Umschlag in den deutschen Seehäfen von 276 Millionen Tonnen im Jahr 2010 bis auf 759 Millionen 2025 steigt. Ob eine Minimallösung da das richtige Signal ist?
NOK: Volumen steigt im ersten Halbjahr deutlich Der positive Trend auf dem NOK hat sich im ersten Halbjahr 2011 fortgesetzt.
Der Gesamtverkehr stieg von Januar bis Juni um 5,8 Prozent auf 16.501 Schiffe. Weil deutlich größere Schiffe den Kanal durchfuhren, wuchs die Ladungsmenge sogar um rund 18,5 Prozent auf 48 Millionen Tonnen. Jörg Heinrich, Leiter des Dezernats Schifffahrt bei der Wasser- undSchifffahrtsdirektion Nord, sagt: .Setzt sich die Entwicklung so fort, könnten wir die 100-Millionen-Tonnen-Schwelle erreichen." Damit läge man nur knapp unter dem Rekord von 2008 - und wieder auf Vorkrisenniveau. Der Teitstreckenverkehr zu den Häfen am Kanal spielt eine Nebenrolle, die Hauptverkehrsmenge entfällt auf den Transit.
Deutsche Seeschifffahrt 09/2011

Die Lotsenbrüderschaft

NORD-OSTSEE-KANAL I stellt die Info-Briefe der WSA Brunsbüttel in das Internet
Ersatzbau Mitteldüker – Rohr- und Kabeltunnelanlage Schiffsschleusen Brunsbüttel
     
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1953 das Licht der Welt in Stuttgart erblickt bis 1962 Stuttgart ab 1963 bis 1970 Bayerrn ( genauer Mittelfranken Lauf/Peg.) Schule ab 1970 Norden Lehrjahre sind keine Herrenjahre Matrose HAPAG 1976 AK 19 86 AM FHSR ( heute STW 95 unbeschränkt) 1992 -1997 Staukoordinator Abteilungleiter Reedereien Rheintainer Transglobe 1997 - Schleusenmeister, den es immer noch seefahrtsmässig in den Finger juckt, wenn er seine Kollegen fahren sieht, inzwischen auch wieder selbst fährt übergangsweise Fähre und ehrenamtlich Dampfschlepper Hamburger Hafen Museumshafen Övelgönne