Nach dem Rekordjahr 2010 steuert die internationale Containerschifffahrt auf die nächste Krise zu.

aktuelle_situation_deutsche_und_internationale_reedereien_juli_2011 Hamburg. Nach dem Rekordjahr 2010 steuert die internationale Containerschifffahrt auf die nächste Krise zu. "Seit im vergangenen Herbst der Preiskampf erneut eingesetzt hat, sinken die Frachtraten und decken zum Teil nicht mehr die Kosten“, sagte Burkhard Lemper, Direktor beim Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL), am Montag dem Abendblatt. Die Folgen könnten für die Branche, die im Krisenjahr 2009 rund 20 Milliarden Dollar Verlust eingefahren hat, bedrohlich werden. Der Bremer Experte ist überzeugt: "Es besteht nun die Gefahr eines ruinösen Wettbewerbs.“ Hintergrund für die Wende ist, dass die internationalen Großreedereien ihre immer größeren Frachter auslasten müssen. Deshalb senken sie ihre Frachtraten, den Preis für den Transport der Container an Bord. "Die dänische Maersk oder auch die aus Genf gesteuerte MSC fahren wohl auf ihren Neubauten für mehr als 13.000 Standardcontainer (TEU) auch dann noch Gewinne ein“, schätzt Oliver Drebing, Analyst bei der Hamburger Alster Research. Zudem versuchen die Branchenführer, davon sind Experten überzeugt, sich mit den günstigen Preisen Marktanteile für die Zukunft zu sichern. Die Folge: Der Transport eines Standardcontainers (TEU) von Shanghai nach Nordeuropa kostet derzeit 845 Dollar statt 1381 Dollar zu Jahresbeginn. Als auskömmlich gelten in der Branche rund 1000 Dollar pro TEU. Als Reaktion auf die sinkenden Raten verzichtete Hamburgs Traditionsreederei Hapag-Lloyd bereits im ersten Quartal auf Transporte "mit minderer Preisqualität“. Der zunehmende Wettbewerb erschwere das Geschäft, stellte Vorstandschef Michael Behrendt fest. Die Hamburger steigen jetzt ebenfalls in die neue Schiffsgrößenklasse ein. So wird Hapag-Lloyd von Ende Juni 2012 bis Ende 2013 zehn Neubauten mit jeweils 13.200 TEU von der koreanischen Hyundai Werft übernehmen. Durch die Ablieferung von immer neuen Schiffsriesen, die zum größten Teil noch während des Booms vor 2009 bestellt wurden, dürften die Preise im Seetransport weiter unter Druck bleiben. Denn erst von 2013 an wird es weniger Ablieferungen geben. Zwar werden für 2011 und die folgenden Jahre Wachstumsraten im Transport von jährlich neun Prozent erwartet. Doch der Zuwachs an Tonnage übertrifft diesen Wert derzeit deutlich. "Allein zwischen Juni 2010 und Juni 2011 ist die Kapazität der zwischen Europa und Fernost eingesetzten Frachter um 23 Prozent gestiegen“, so Analyst Drebing. Konnten 2010 noch Ablieferungen verschoben und Kapazitäten durch reduzierte Geschwindigkeiten begrenzt werden, sind diese Möglichkeiten inzwischen ausgereizt, sagt ISL-Direktor Lemper. "Der Puffer ist weg.“ Nach den Zahlen des Instituts werden bis Ende 2014 insgesamt 149 Containerfrachter mit mehr als 10.000 Stellplätzen für Container in Betrieb gehen. Zum Vergleich: Bis April dieses Jahres waren erst 78 dieser mehr als 300 Meter langen Riesen unterwegs. Selbst Hamburg Süd, die vor allem die wichtigsten Nord-Süd-Routen zwischen Europa und Südamerika und Asien und Südamerika bedient, spürt die Folgen der neuen Schiffsgeneration. Denn die Großreedereien schicken ihre aus den Ost-West-Verkehren abgezogenen kleineren Frachter nun auf die Strecken der Oetker-Reederei. Das setzt auch dort die Raten unter Druck. "Unsere Branche hat aus der Krise nichts gelernt“, hatte Hamburg-Süd-Chef Ottmar Gast im April frustriert festgestellt. Sobald die Auslastung unter die angepeilten 95 Prozent sinke, würden die Manager nervös und versuchten, anderen Konkurrenten mit Niedrigpreisen Ladung abzujagen.
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Über g.goettling

1953 das Licht der Welt in Stuttgart erblickt bis 1962 Stuttgart ab 1963 bis 1970 Bayerrn ( genauer Mittelfranken Lauf/Peg.) Schule ab 1970 Norden Lehrjahre sind keine Herrenjahre Matrose HAPAG 1976 AK 19 86 AM FHSR ( heute STW 95 unbeschränkt) 1992 -1997 Staukoordinator Abteilungleiter Reedereien Rheintainer Transglobe 1997 - Schleusenmeister, den es immer noch seefahrtsmässig in den Finger juckt, wenn er seine Kollegen fahren sieht, inzwischen auch wieder selbst fährt übergangsweise Fähre und ehrenamtlich Dampfschlepper Hamburger Hafen Museumshafen Övelgönne