Somalische Regierung verhaftet Lösegeld-Transporteure

20 20.06.2011 Piraterie Somalische Regierung verhaftet Lösegeld-Transporteure Von Andreas Ulrich AFP Bewaffneter Pirat an der Küste von Somalia: Lösegeld in wasserdicht verpackten BeutelnZwischen zwei und zehn Millionen Dollar zahlen Reeder an Piraten, um gekaperte Schiffe wieder freizubekommen. Die Manöver sind abenteuerlich, per Flugzeug wird das Lösegeld zu den Freibeutern gebracht. Doch nun hat die somalische Regierung die wichtigsten Transporteure festgenommen.Hamburg - Fast zeitgleich mit der Luftwaffenmaschine des Bundespräsidenten landete ein Falcon Jet aus Wien auf dem Flughafen Fuhlsbüttel. Die Maschine gehört einem Charterunternehmen aus Baden-Baden und wurde dringend erwartet. Sie sollte 3,5 Millionen Euro Lösegeld für den gekaperten Frachter "Susan K." der Reederei Nimmrich und Prahm aus Leer in Ostfriesland an somalische Piraten überbringen. Eigentlich hätte eine russische Antonow schon am frühen Mittwochnachmittag kommen sollen, doch weil die Versicherung des Flugzeuges das Einsatzgebiet nicht abdeckte, musste kurzfristig Ersatz gefunden werden. Das dauerte. Und die Zeit drängte. Lösegeldübergaben sind ein heikles Geschäft. Die Sicherheitsfirma Salama Fikira bringt üblicherweise die Millionen aus Deutschland zu den somalischen Piraten. Regelmäßig schafft die kleine Firma wasserdicht verpackte Beutel zu den gekaperten Schiffen, meist über ihre Büros in Kenia oder auf Mauritius. Je nach Schiffsgröße und Herkunftsland beträgt das Lösegeld zwischen zwei und zehn Millionen Dollar. Die Piloten fliegen direkt über die Schiffe und lassen auf ein vereinbartes Zeichen hin die Ladung fallen. Die Flugzeuge dürfen nicht zu schnell sein, sonst ist ein zielgenauer Abwurf nicht möglich. Das Geschäft erfordert Vertrauen auf beiden Seiten, beim Erpresser und beim Erpressten. Salama Fikira gilt als weltweit führend, routiniert und zuverlässig. Salama Fikira ist nicht mehr einsatzfähig Es ist immer mit Risiken verbunden, Millionen von Dollars durch die Welt zu schicken. Schon häufiger musste Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann seinen gepanzerten Dienstwagen zur Verfügung stellen, wenn ein Reeder aus seinem Bundesland mal wieder ein entführtes Schiff auslösen musste. In dem Wagen wurden die Millionen dann zum Hamburger Flughafen gebracht. Zudem gibt es rechtliche Hürden: Es ist verboten, Bargeld auszuführen, um es Verbrechern in die Hand zu drücken. Die Geldboten benötigen ein amtliches Schreiben der Staatsanwaltschaft, das die Zöllner von Strafe freistellt, wenn sie die Millionen passieren lassen. Diese Abläufe sind mittlerweile Routine. Die Münchner Sicherheitsfirma Result Group, die als Berater der Reederei Nimmrich und Prahm für die Lösegeldübergabe im Falle der "Susan K." zuständig war, hat gute Erfahrungen mit Salama Fikira gemacht. Seit kurzem aber ist Salama Fikira nicht mehr einsatzbereit. Zwei ihrer wichtigsten Männer, der britische Staatsbürger Rob Andrews und ein US-Amerikaner, sitzen in Mogadischu in Haft. Die somalischen Regierung, die nicht einmal die vollständige Kontrolle über die Hauptstadt hat, ließ die beiden Sicherheitsleute unlängst verhaften, das Lösegeld und das Flugzeug beschlagnahmen. Und so fehlte die Cessna Citation Excel am vergangenen Mittwoch auf dem Hamburger Flughafen.Jetzt bangen die Mitarbeiter von Salama Fikira um das Leben ihrer Kollegen, ein somalischer Knast ist eine harte Prüfung. Das Sicherheitsunternehmen wollte sich zu dem Fall nicht äußern: Es sei Firmenpolitik, niemals öffentlich Stellung zu nehmen, sagte ein Mitarbeiter.Das Geld kam aus Hongkong, in Mogadischu sollte es aufgeteilt werden Die radikale Maßnahme ist der verzweifelte Versuch der somalischen Regierung, den steten Strom der Lösegeld-Millionen an ihre Feinde zu unterbinden. Insider rätseln indes, weshalb die Maschine von Salama Fikira überhaupt in Mogadischu gelandet ist. Andrew Mwangura von "Seafarers Welfare" in Mombasa, Kenia, einer der besten Kenner der Szene, sagte, Salama Fikira habe diesmal Lösegelder für zwei Schiffe übergeben sollen. Die unter der Flagge Panamas fahrenden Frachter "Suez" und "Yuan Xiang". Das Geld sei aus Hongkong gekommen, sollte in Mogadischu aufgeteilt und getrennt abgeworfen werden.Den neuen Lösegeldkurieren fehlt offenkundig die Routine. Sie hatten geplant, die Millionen für die "Susan K." direkt von Hamburg aus über dem Schiff abzuwerfen und sich deshalb für eine Antonow entschieden, die mit 400 Stundenkilometern relativ langsam fliegen kann. Weil sie ausfiel, musste das Geld mit einer Falcon nach Port Sudan gebracht werden, wo ein Propellerflugzeug wartete, das die Millionen am Donnerstag schließlich neben der "Susan K." abwarf. Kurz darauf gaben die Piraten das Schiff frei. •
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Über g.goettling

1953 das Licht der Welt in Stuttgart erblickt bis 1962 Stuttgart ab 1963 bis 1970 Bayerrn ( genauer Mittelfranken Lauf/Peg.) Schule ab 1970 Norden Lehrjahre sind keine Herrenjahre Matrose HAPAG 1976 AK 19 86 AM FHSR ( heute STW 95 unbeschränkt) 1992 -1997 Staukoordinator Abteilungleiter Reedereien Rheintainer Transglobe 1997 - Schleusenmeister, den es immer noch seefahrtsmässig in den Finger juckt, wenn er seine Kollegen fahren sieht, inzwischen auch wieder selbst fährt übergangsweise Fähre und ehrenamtlich Dampfschlepper Hamburger Hafen Museumshafen Övelgönne